Creative Connection

Adobe Stock Contributerin Helen Fields: Vom Gerichtssaal auf den Times Square

Helen Fields, auch bekannt als Hotelfoxtrot69, ist eine ehemalige Rechtsanwältin und arbeitet heute als Videografin und Adobe Stock Anbieterin in Großbritannien. Sie ließ ihre juristische Karriere hinter sich, um den kreativen Weg einzuschlagen, und ist inzwischen erfolgreich zu Videoproduktionen übergegangen. Im Rahmen unserer Reihe „The Female Creator“ haben wir uns mit Helen über ihren spannenden Werdegang in die Welt der Stockvideos sowie über ihre Wahrnehmung von Frauen im Stock-Business unterhalten.

Adobe Stock: Helen, erzähl uns doch bitte ein wenig über dich und darüber, wie du in das Stockgeschäft gekommen bist.

Helen Fields: Bevor ich mit dem Stockgeschäft begonnen habe, habe ich mich mehr als zehn Jahre mit Strafrecht und Familienrecht beschäftigt. Mein Ehemann David ist Kameramann und zusammen führten wir über mehrere Jahre unsere Produktionsfirma Wailing Banshee Ltd. Nach der Geburt der Kinder entschloss ich mich zu einem Karrierewechsel, um einer kreativeren Tätigkeit nachgehen zu können. Bislang hatten wir viele Aufträge von Firmen übernommen, oft für Kunden aus dem gehobenen Segment und Blue-Chip-Unternehmen. Was wir aber wollten, war mehr kreativer Freiraum und die Distanzierung vom Konzept der „Kundenarbeit“ allgemein. Wir wollten frei sein, aufnehmen was wir wollten und wann wir es wollten. Die Mitwirkung an der Stock-Arbeit hat sich dabei ganz von allein entwickelt. Nach Jahren gewöhnlicher Werbearbeit war die neue Aufgabe unterhaltsam und erfrischend. Der wirkliche Lohn besteht darin, unsere Arbeiten überall zu sehen – ob auf den Großbildschirmen am Times Square, im Fernsehen oder sogar in den Kinos.

AS: Worin bestand die größte Herausforderung beim Wechsel von der Rechtswissenschaft zur Videoproduktion?

HF: Der Übergang zur Vollzeittätigkeit für Wailing Banshee war kein großes Problem, schließlich war ich schon vorher jahrelang für die Firma tätig, knüpfte Kontakte zu Kunden, war bei den Aufnahmen dabei und schrieb Skripte. Ich vermisste den Schlagabtausch bei Gerichtsterminen, aber in der Firma ging es seinerzeit so geschäftig zu, dass wir ohnehin an einem Punkt standen, an dem wir zwangsläufig expandieren mussten. Ich war bereit für etwas Neues, und am Set wird es niemals langweilig.

AS: Und wie war das mit dem Wechsel von der Kundenarbeit zur Stockfotografie?

HF: Der Wechsel von der Kundenarbeit hin zur Vollzeit-Stock-Erstellung war wunderbar. Unser Blick ging niemals zurück. Gelöst sein von den Konzepten anderer Leute, von den Vorgaben mehrerer Agenturen, von Marken-Auflagen und so weiter, war schlichtweg befreiend. Natürlich war es ein Risiko, und während wir auf die Vergrößerung unseres Bildbestands und den Beginn der Umsätze warteten, herrschten einige Tage lang Selbstzweifel. Das ging aber schnell vorbei. Heute freuen wir uns auf jeden Tag und jede Aufnahme.

AS: Wie hat sich der Markt für Stockfotografie verändert, seit dem du angefangen hast? 

HF: Seit unseren Anfängen hat sich der Markt für Stockbilder deutlich erweitert und die Preise sind merklich zurückgegangen. Für uns bedeutet das, dass wir wettbewerbsfähiger, kosteneffizienter und besser als die gesamte Konkurrenz sein müssen. Mit der Weiterentwicklung von Software und Auslandsmärkten werden sich die Dinge weiter verändern, und der Trick besteht darin, bei Qualität und Kreativität immer einen Schritt voraus zu bleiben.

AS: Kannst du uns einige deiner meistverkauften Video-Clips nennen und was sie gemeinsam haben? 

HF: Unsere beliebtesten Clips wechseln immer wieder, aber wir haben eine Mischung aus Geschäftsthemen, Lifestyle und Sport, die sich beständig gut verkaufen. Es sind die ehrlicheren und oftmals die ‚glücklichen‘ Aufnahmen, bei denen alles vom Modell über die Beleuchtung bis hin zur Location zusammenpasst. Diese lassen sich wirklich gut verkaufen. Authentizität ist ein ganz wichtiger Faktor. Unsere Luftaufnahmen sind besonders außergewöhnlich – egal ob von London, New York oder Kalifornien.

AS: Was bedeutet es für dich, weibliche Kunstschaffende zu sein?

HF: Ich würde sagen, ich leiste meinen Beitrag für mein Geschlecht. Ich stelle mich selbst und meine Arbeit da draußen als selbstbewusste Frau zur Schau. Ich nehme gern Kritik und Lob entgegen und bin bereit, von anderen zu lernen – egal ob von Männern oder Frauen. Ich bin sicher, mein weibliches Gehirn arbeitet anders als das von Männern. Also hoffe ich, dass sich das auch in der Kreativität bemerkbar und den Unterschied macht.

AS: Wie würdest du Frauen gerne auf Stockfotos vertreten sehen?

HF: Als Frau strebe ich stets nach Gleichstellung – und selbst in 2017 wird deutlich, dass bis dahin noch ein weiter Weg vor uns liegt. Ich sehe gerne starke Frauen auf Stockfotos. Besonders gut gefällt es mir, wenn ich Frauen in Branchen abgebildet sehe, in denen man sie bisher als eher deplatziert empfunden hat, zum Beispiel auf einer Ölbohrplattform oder als Offizierin in der Armee. Etwas, wo man zweimal hinschaut und Stolz für diese Frauen empfindet, die diese Rollen besetzen. Die Geschlechterrollen ändern sich nur langsam, aber es gibt zumindest eine Bewegung in die richtige Richtung.

AS: Welche Frauen im kreativen Bereich inspirieren dich?

HF Ich liebe Kathryn Bigelow, die bei ‚Hurt Locker‘ Regie geführt hat und einen Oskar als beste Regisseurin gewonnen hat. Bei einem derart ‚männlichen‘ Film war das wirklich hilfreich, um Geschlechterstereotypen in der Filmindustrie abzubauen. Und auch Annie Leibovitz bewundere ich sehr für ihre umwerfende Porträtfotografie.

AS: Was kannst du Fotografinnen und Videografinnen raten, die gerade ihre ersten Schritte in der Branche machen? 

HF: Investiert in gute Ausrüstung! Wenn ihr sie nicht kaufen könnt, dann mietet sie. Der Schlüssel zu gutem Absatz ist die Produktion von hochwertigem Material. Und das braucht seine Zeit, diese Karriere erfolgt nicht über Nacht. Der Aufbau eines Portfolios braucht einen langfristig angelegten Plan. Beobachtet den Markt und haltet euch auf dem Laufenden. Lasst euch von niemandem erzählen, ihr würdet im Stockgeschäft völlig daneben liegen. Diese Branche ist das, was die Anbieter aus ihr machen.

Auf Adobe Stock findet ihr mehr Videos von Helen.

Im Rahmen von “The Female Creator” stellen wir euch in den nächsten Wochen außerdem noch die Fotografin Eve Saint Ramon und die Designerinnen Tina Touli sowie Jing Zhang vor.  Seid gespannt! 🙂

 

Adobe Stock, Bildbearbeitung, Fotografie, Inspiration, Kreativ-Business

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