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„Best of the Best“-Gewinnerin Viola Konrad: „Es ist das Schlimmste, wenn jemand überhaupt nichts mehr sagt”

Eigentlich wollte ich überhaupt nicht einreichen.

„Best of the Best“-Gewinnerin Viola Konrad

Einsamkeit, Verzweiflung, Wut – Mit ihrem ausdrucksstarken Video „Dröhnend still“ zeigt Viola Konrad wie sich die Isolation eines Menschen kreativ darstellen lässt. Die 26-Jährige gibt einen tiefen Einblick in ihr Seelenleben, indem sie verborgene Gedanken skizziert, Porträts von Freunden und Feinden zeichnet und letztlich wild entschlossen ganze Wände beschmiert. Für das berührende Projekt gewann sie die Auszeichnung „Best of the Best“ im Rahmen des Red Dot: Junior Prize. Dabei profitierte die Mediendesign-Studentin von den Tools der Creative Cloud. Warum sie das Thema „Stille“ wählte, mit welchen Symbolen sie arbeitete und wie ihre Pläne nach der Auszeichnung aussehen, verrät die kreative Querdenkerin im Interview.

Hallo Viola, Glückwunsch zu deiner Auszeichnung als „Best of the Best“ beim Red Dot. Mit deinem Projekt „Dröhnend still“ hast du für einen kreativen Gänsehautmoment gesorgt. Wie bist du auf die Idee zu dem Video gekommen?

Danke sehr. Das Video ist als Semesterarbeit für mein Mediendesign-Studium entstanden. Die einzige Vorgabe bei diesem freien, künstlerischen Projekt lautete, dass wir etwas zum Thema „Wort“ entwickeln. Für meine Dozenten war es wichtig, dass das Projekt weit weg vom Kommerz ist, ein starkes Konzept hat und ein Thema beinhaltet, das einen berührt. Nach einer langen Konzeptionsphase bin ich auf das Wort „Stille“ gekommen.

Warum Stille?

Ich habe nach einprägsamen und ausdrucksstarken Worten gesucht. Für mich ist es das Schlimmste, wenn jemand überhaupt nichts mehr sagt. Wenn die eigenen Eltern oder die Trainer beim Sport enttäuscht sind, dann sagen sie nichts mehr. Dieses Gefühl ist sehr bedrückend.

Viola Konrad

Viola Konrad

Wie hast du dich auf das Projekt vorbereitet?

Für mich gehören Stille und Einsamkeit eng zusammen. Ich bin überhaupt nicht gerne allein, also habe ich verschiedene Selbstversuche unternommen. Erst war ich allein in einer Bar, das habe ich kaum ausgehalten. Dann war ich allein bei einem Frühstücksbuffet. Dort habe ich angefangen zu zeichnen. So hat sich dann langsam die Idee entwickelt, dass ich mich 18 Stunden in einem Raum isoliere und die Gedanken, die um die Einsamkeit kreisen, filmisch umsetze.

In dem Video zeichnest du zunächst in einem Skizzenbuch, dann wandert der Stift über die Ränder hinaus auf den Tisch. Schließlich bemalst du die Wände des Raums. Was wolltest du damit zum Ausdruck bringen?

Dieser Prozess lief in mir ganz intuitiv ab. Erst habe ich die Menschen und Gedanken gezeichnet, nach denen ich mich gesehnt habe wie meine Freunde und Familie. Da die Personen aber nicht mit mir sprechen können, haben sie keinen Mund. Um die Phasen der Einsamkeit darzustellen, habe ich auch die Menschen gemalt, dich ich nicht mag oder die schlecht über mich reden. Am Ende beschmiere ich eine Tür, die die Verbindung zur Außenwelt symbolisiert, mit tiefem Schwarz. Keiner kann mehr rein und keiner mehr raus.

Wie hast du das Projekt technisch umgesetzt? Inwiefern hat dir die Creative Cloud bei der Umsetzung von „Dröhnend still“ geholfen?

Das Video habe ich mit zwei Spiegelreflexkameras und einer GoPro gefilmt. Dadurch sind 54 Stunden Bildmaterial entstanden. Ich hatte zuvor noch nie etwas gefilmt, geschweige denn geschnitten. Da ich aber schon mit Illustrator, InDesign und Photoshop Erfahrungen habe, ist mir der Umgang mit Premiere nach ein paar Tutorials leicht gefallen. Die Programme der Creative Cloud ähneln sich sehr und so konnte ich mich recht schnell zurechtfinden.

Kannst du dir eine Karriere im Bereich Videoproduktion vorstellen?

Mein Studium ist sehr kreativ ausgelegt, das ermöglicht mir in sämtlichen medialen Bereichen Erfahrungen zu sammeln. Ich könnte mir auch etwas im Bereich Video vorstellen, da es hier wahnsinnige Möglichkeiten gibt. Da ich schon immer viel gezeichnet und gemalt habe, ist meine Nische im Moment die Arbeit bei einer Tageszeitung. Der Aufgabenbereich ist sehr abwechslungsreich. Ich entwickle Logos für eine neue redaktionelle Serie, gestalte Sonderbeilagen und Sonderseiten oder bin in den Bereichen Marketing und Werbung aktiv. Jede Woche stehen neue Projekte auf dem Programm.

Für deine Zukunftspläne kann die Auszeichnung „Best of the Best“ wegweisend sein. War dir sofort klar, dass du mit deinem Video gute Chancen auf den Red Dot hast?

Eigentlich wollte ich überhaupt nicht einreichen, weil ich mir keine Chancen ausgerechnet habe. Die Konkurrenz bei dem Wettbewerb ist unglaublich groß. Meine Dozenten haben mich dann aber ermutigt das Video einzuschicken, danach hatte ich immer noch Zweifel und so habe ich lange gezögert. Erst am letzten Tag, eine halbe Stunde vor der Deadline, habe ich meine Arbeit hochgeladen. Als ich die Auszeichnung „Best of the Best“ bekommen habe, war ich erstmal baff. Ich konnte damit zunächst nichts anfangen, habe erst später realisiert wie wichtig der Preis ist. Meine Familie und Freunde haben sich total gefreut. Es ist jetzt aber nicht so, dass ich ständig mit der Auszeichnung rumlaufe. Ich will mich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen.

Am 6. November wird auf der Red Dot Gala in Berlin der Junior Prize verliehen. Was würdest du mit den 10.000 Euro Preisgeld anstellen?

Erstmal würde ich meiner Schule das komplette Geld für die Einreichung und das Winner-Package wiedergeben. Außerdem würde ich sofort meinen Kurs in unseren Irish Pub einladen, um die Auszeichnung ordentlich zu feiern.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Mehr aus unserer Porträt-Reihe zu den “Best of the Best” des Red Dot: Junior Prize:

Zum Porträt von Illustratorin Lara Wilkin
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