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Europa, Naturschutz und Mumien. Abenteuer-Fotografin Ulla Lohmann im Interview

Das „Abenteuer Europa“ haben wir euch in einem vorangegangenen Blogpost bereits ein bisschen vorgestellt. Noch mal kurz zur Erinnerung: Die Fotografin und Abenteurerin Ulla Lohmann will mit ihrem Mann in 470 Tagen den jeweils höchsten Berg in 47 Ländern Europas erklimmen. Wir haben Ulla gefragt, wie man auf so eine verrückte Idee kommt.

Ulla hat Freundschaften in den entferntesten Ecken der Welt geschlossen. Jetzt will sie herausfinden, welche Menschen eigentlich in Europa so leben

Adobe: Erzähl doch mal, wie ist die Idee zu Abenteuer Europa entstanden?

Ulla: Eines Abends saß ich mit meinem Mann Basti zusammen. Das Schöne an unseren Jobs ist ja, dass wir uns echt überlegen können, worauf wir Lust haben – und dann ein Projekt drum herum stricken. Wir haben über unsere Träume gesprochen. Was wir schon immer einmal machen wollten. Ich wollte schon immer mit dem Camper durch Europa fahren. Es gibt so viele tolle Ecken hier zu entdecken, und Menschen kennenzulernen. Ich bin Vulkanexpertin für die Südsee, und quasi nie zuhause. Das ist eigentlich schade. Jeder redet immer von Europa, und ich weiß nicht mal, was für Menschen da so dazugehören. Basti ist leidenschaftlicher Bergsteiger. In jedem Land will er immer auf den höchsten Berg klettern. Das Ergebnis unserer beiden Träume kombiniert: Abenteuer Europa.

 

Adobe: Was wollt ihr mit Abenteuer Europa erreichen?

Ulla: Es geht mir gar nicht primär darum, von meinen eigenen Abenteuern zu berichten. Vielmehr will ich anderen Menschen Mut machen, ihre eigenen Träume zu verwirklichen.  Außerdem wollen wir zum Schutz der alpinen Flora und Fauna aufrufen. Denn gerade zu Zeiten des Klimawandels ist die Berglandschaft stark betroffen. Und auch der Nachhaltigkeitsgedanke spielt eine große Rolle. Wir besuchen in jedem Land ein Projekt oder einen Menschen, die sich mit nachhaltiger Entwicklung auseinandersetzen. Darin unterstützt uns auch die UNO. Mir liegt die Natur sehr am Herzen, ich finde aber, dass man nicht mit erhobenem Zeigefinger lehren sollte. Ich will lieber zeigen, wie schön unsere Welt ist. Und dass es sich lohnt, sie zu schützen.

 

Adobe: Habt ihr denn schon spannende Menschen und Projekte gefunden?

Ulla: Ja! In Monaco zum Beispiel, da gibt es so gut wie keine Natur. Aber wir haben dort eine junge Frau getroffen, Jessica, die zum ersten Mal in hundert Jahren wieder Landwirtschaft dort betreibt. Für ihr Projekt “Terre de Monaco” pflegt sie Dachterrassen und Terrassen von Luxushotels und baut dort Obst, Gemüse und Kräuter an, welche sie dann wiederum an Hotels verkauft. Und sie macht Schulungsgärten für Monacos Kinder daraus, zeigt ihnen wie man gärtnert, schafft ein Bewusstsein für Natur, dafür, wo Nahrung und vor allem gesunde Nahrung herkommt. Sie pflanzt auch alte Obst- und Gemüsesorten an, die man gar nicht mehr kennt. So setzt sie sich für den Erhalt alter Arten ein. Und tut was für die Umwelt. Das hat mich schon schwer beeindruckt. Vor allem ist Monaco ja wirklich keine schöne Stadt. Ich würde da nicht wohnen wollen. Jessica ist aus privaten Gründen an den Ort gebunden. Und macht einfach das Beste draus. Das bewundere ich sehr.

 

Von Jessica und ihrem Projekt „Terre de Monaco“ war Ulla nachhaltig beeindruckt

 

Adobe: Und wie läuft die Reise sonst? Ist es so, wie ihr es euch vorgestellt habt?

Ulla: Nein [lacht]. Wir haben ja mit den niedrigsten hohen Bergen angefangen. Das war teilweise schon etwas ernüchternd. Wenn man für ein Bergsteigerprojekt losgeht, und am Ende 20 Meter auf einen Hügel spaziert. Wir steckten viel im Verkehr und in Menschenmengen. Da war weniger Natur, mehr Touristenmassen. Aber wir haben das mit Humor genommen. Und es wird ja auch noch abenteuerlicher!

 

Adobe: Hast du schon eine Vorstellung, wie es nach Abenteuer Europa weitergehen soll?

Ulla: Mumien. Ich möchte noch einmal nach Papua Neuguinea. Mich auf die Suche nach Stämmen machen, die heute noch mumifizieren. Als ich acht Jahre alt war, war ich mit meinen Eltern in Pompei. Die Menschen, die dort durch den berühmten Vulkanausbruch „mumifiziert“ wurden, fand ich wahnsinnig faszinierend. Deshalb will ich mich weiter mit diesem Randthema beschäftigen. In unserer Gesellschaft wird das Thema Tod weggesteckt, verbuddelt. Bei vielen Urvölkern ist das ganz anders, das will ich weiter erforschen. Außerdem möchte ich auch noch in die Antarktis auf den Erebus, das ist ein aktiver Vulkan im Eis. Da muss ich unbedingt mal drauf! Vulkane bleiben immer ein aktuelles Thema für mich. Für die BBC steige ich demnächst wieder in einen.

Schon einmal hat Ulla die Urvölker Papua Neuguineas besucht. Bald will sie zurück und mehr über Mumifizierung erfahren. ©Helge Stang

Hast du noch ein paar praktische Tipps als Reise-Fotografin?

Ulla: Klar! Also die Schwierigkeit beim Abenteuer Europa, beziehungsweise generell bei meiner Arbeit, liegt ja darin, dass wir unterwegs sind und mehr oder weniger live berichten. Das heißt Fotos sichten, bearbeiten, hochladen – alles on the road. Ich arbeite, damit es schneller geht, mit der Bridge. Damit suche ich die Bilder aus, importiere also nicht gleich alles in Lightroom. Heißt konkret: Circa die Hälfte aller Bilder, die ich gemacht habe, lösche ich wieder. Mein Stil ist mittlerweile gefestigt, ich weiß, was ich will. Deshalb kann ich gut aussortieren. Anfängern würde ich das nicht empfehlen. Dann importiere ich in Lightroom, verschlagworte, archiviere und bewerte mit Sternen. Ich bin großer Fan von Lightroom Mobile, damit kann ich unterwegs auch auf die Cloud drauf zugreifen. Da sind nur die allerbesten Bilder drin, das sind 30 bis 50 von jeder Etappe. Die bearbeite ich auch mal auf dem Handy und poste zum Beispiel direkt auf Instagram. Auch unsere Filme schneiden wir unterwegs, mit Premiere, das klappt super.

 

Ulla spricht beim Globalen Aktionstag:

Wenn ihr mehr über Abenteuer Europa und Ulla erfahren wollt, schaut einfach bald wieder hier rein, wir werden weiterhin berichten. Schaut auch mal auf Ullas Homepage vorbei.

Wir sind jetzt auf Instagram! Folgt @adobecreativecloud_de und zeigt uns unter dem Hashtag #AdobeCreativeCrowd, was ihr draufhabt!

 

 

 

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