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OFFF-Nachlese: Diese vier Thesen bewegen die Kreativ-Szene [Update]

Die Kreativ-Konferenz OFFF in Barcelona ist ein wichtiger Brennpunkt für Trends in den Bereichen Design, Film und Animation. Um das Ohr ganz nah am Herzschlag der Kreativbranche zu haben, haben wir die Trend-Reporter Pierre Starkloff und Johannes Eich von Schoenhaesslich.de sowie Florian Junk von Dressed Like Machines zum Kreativ-Epizentrum nach Barcelona geschickt, das dieses Jahr unter dem Motto „Let’s feed the future“ stand. Mitgebracht haben sie jede Menge spannende Erkenntnisse. Diese vier Aha-Erlebnisse haben sie besonders beeindruckt. Ob sich daraus Trends ableiten, wird sich zeigen, aber als Diskussionsgrundlage für Thesen, die die Branche bewegen, taugen sie allemal.

These 1: „Kreative arbeiten über die Disziplinen hinweg stärker zusammen“

Gemeinsam mit Kreativen aus anderen Disziplinen projektbasiert zu kollaborieren, ist immer mehr im Kommen, berichtet Pierre Starkloff, der zusammen mit Johannes Eich Schoenhaesslich.de betreibt: „Wenn Kreative früher an einen toten Punkt gelangten, weil sie nicht das Spezialwissen für eine Teilaufgabe hatten und sich diese als zu komplex erwies, war es üblich, das Projekt notgedrungen unvollendet zu lassen. Das ist heute immer öfter nicht mehr so. Ein schönes Beispiel für dieses Phänomen präsentierte auf der OFFF 2015 der Motion-Designer GMUNK. Für seinen Animationsfilm im Rahmen des ‚Adobe Logo Remix’-Projekt plante er eine Lichtinstallation. Nur, weil er externe Lichttechniker engagierte, konnte der Beitrag Realität werden. Die Möglichkeit, sich online zum Beispiel über Behance zu vernetzen, trägt sicher viel zu dieser Entwicklung bei. Aber es ist mehr als nur Technologie. Wir beobachten auch einen Mentalitätswandel. Viele Kreative verstecken ihre unvollendeten Werke nicht mehr, sondern sind bereit, sie in einem frühen Stadium zu veröffentlichen, um von Tipps aus der Community zu profitieren und entdeckt zu werden.“

Zum Bericht von Schoenhaesslich über GMUNK.

These 2: „Die Ellenbogen-Mentalität in der Kreativ-Szene ist out“

In eine ähnliche Richtung geht eine Beobachtung von Florian Junk, der mit Unterstützung von Adobe für Dressed Like Machines von der OFFF 2015 berichtete. „Die OFFF war geprägt von einer sehr familiären Atmosphäre, die meiner Beobachtung nach stellvertretend für ein wohlwollenderes Miteinander in der Kreativbranche steht. In den Vorträgen, die ich besucht habe, und in den vielen Gesprächen, die ich geführt habe, konnte ich die Auffassung gewinnen, dass die Einzelkämpfer-Mentalität an Bedeutung verliert. Man unterstützt sich bereitwillig mit Worten und Taten. Es gibt weniger Silo-Denke. Dass sich diese Haltung lohnt, veranschaulicht das Beispiel der renommierten Agentur Vasava, die kostenlos ein Portfolio-Review von Behance-Profilen anbot. Ich habe erfahren, dass mindestens ein Review in einem Vorstellungsgespräch gemündet hat. Dafür, dass Vasava aus freien Stücken kostbare Zeit investiert hat, hat die Design-Agentur also ganz nebenbei womöglich gleich einen neuen wertvollen Mitarbeiter gewonnen.“

These 3: „Bahnbrechende Kreationen erfordern Mut zum gedankenlosen Experimentieren“

Ein gerüttelt Maß an Spieltrieb und Experimentierfreude sind sicherlich grundsätzliche Charaktereigenschaften von vielen Kreativen. Doch das Duo von Schoenhaesslich hat bei der OFFF 2015 einen Ansatz entdeckt, der darüber hinausgeht. Pierre Starkloff: „Wer spontan neue Wege gehen möchte, arbeitet sich üblicherweise in ein neues Spezialgebiet ein. Nicht so der Designer Saad Moosajee. Er kreiert Beeindruckendes, weil er sozusagen sein Handwerk absichtlich nicht versteht. So entscheidet er sich bewusst dafür, einfach so mit Software loszuarbeiten und sich keine Tutorials anzuschauen. Denn, würde er nach Lehrbuch arbeiten, wäre seine Arbeit eben nur durchschnittlich. Es gehört Mut dazu, etwas zu tun, was man gerade nicht beherrscht.“

Zum Videointerview von Schoenhaesslich mit Saad Moosajee.

These 4: „Kreative Präsentationen brauchen neue Formate der Wissensvermittlung“

Florian Junk von Dressed Like Machines ist nicht nur als Blogger, sondern auch als Vortragsredner zum Beispiel für Social-Media-Themen aktiv und hat von der OFFF 2015 wertvolle Inspiration für die wirksame Vermittlung von Know-how mitgenommen. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass besonders lehrreiche Präsentationen immer eine Art von Mitmach-Aspekt beinhalten. Diesen Ansatz verfolgte etwa die Bilddatenbank Fotolia, die Teilnehmer ermutigte, aus verschiedenen Bauteilen und Spielzeugen eine Szenerie vor einem Green-Screen aufzubauen, zu fotografieren und mit Hilfe eines Hintergrundes aus der Fotolia-Datenbank kurzerhand ein persönliches Kunstwerk zu schaffen. Spielerischer Workflow hat selten so viel Spaß gemacht. Als ein weiteres unorthodoxes Format, Know-how zu vermitteln kann ich mir zum Beispiel die Entwicklung von fiktiven Produkten im Multiple-Choice-Verfahren vorstellen. Zuhörer können dann sozusagen anhand von Filterfragen während eines Vortrags im Geiste selbst Ergebnisse produzieren, sodass das vermittelte Wissen eindrucksvoller haften bleibt.“

Zum OFFF-Recap von Florian Junk geht es hier.

 

[Update] OFFF 2015 aus der Sicht von Schoenhaesslich im Recap-Video

 

Was sonst so auf der OFFF geschah, findest du in unserem Highlight-Überblick. Tipps von renommierten OFFF-Rednern fürs Vorankommen in der Kreativ-Szene findest du hier.

 

Was sind die großen Trends in der Kreativszene? Siehst du es genauso wie unsere Trend-Reporter? Wir sind gespannt auf deinen Kommentar.

 

 

Foto © Schoenhaesslich.de

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