Creative Connection

Style Spotlight: Greg Noire

Von Lex van den Berghe

Der Konzertfotograf Greg Noire macht eine Pause von der Hektik einer Live-Aufführung, um sich mit uns zu treffen und uns einen kleinen Einblick in seinen unverwechselbaren fotografischen Stil zu geben. In diesem Beitrag findest du Erläuterungen zu seinen Techniken und Inspirationen (und nebenbei auch ein paar bekannte Gesichter). Du kannst den Stil auch selbst ausprobieren, indem du hier sechs von Greg erstellte, kostenlose Presets für Lightroom CC herunter lädst.

Die pulsierende, farbenfrohe Welt der Live-Musik und die monochromatischen Töne der Schwarz-Weiß-Fotografie bilden eine ungewöhnliche, aber stimmige Einheit. Statt die hellen und lebhaften Farben von Live-Konzerten zu zeigen (die offensichtliche Variante), verwendet Noire Schwarz-Weiß-Bilder, die den Betrachter noch enger mit dem Künstler verbinden. In dieser Ausgabe von Style Spotlight steht die einzigartige Beziehung zwischen Motiv und Stil in den Fotografien von Greg Noire im Mittelpunkt.


Foto von Cardi B, bearbeitet mit Gregs Lightroom-Preset „Kunai“

Schon auf dem College hat Greg Fotografen bewundert. Damals war er von vielen Kreativen umgeben und arbeitete im Fotolabor. „Was die können, kann ich schon lange!“ wurde zu seinem Mantra – und er kaufte sich seine erste Kamera. Als er zur digitalen Spiegelreflexkamera aufgestiegen war, übernahm Greg zahlreiche Gelegenheitsjobs und fotografierte Hochzeiten, Portraits und private Feste. Aber erst beim Fotografieren der Band The Niceguys erlebte er die optimale Kombination aus Anregung und Erfüllung. Das war etwas, auf das er stolz sein konnte. „Das gehörte zu den ersten Situationen, bei denen ich mit der Kamera in der Hand geradezu in einen Rausch geriet. Nach diesem Erlebnis wollte ich nur noch Live-Musik fotografieren.“


Foto von Isaiah Rashad und Sza, bearbeitet mit Gregs Lightroom-Preset „Rusty Blade“

Den eigenen Stil finden

Gregs Vorliebe für Schwarz-Weiß-Fotografie entstand nach dem Besuch eines Seminars zum Thema Film Noir. Dieser Stil entsprach wie kein anderer seiner persönlichen Ausdrucksweise, und er begann die Hauptaspekte des Film Noir in seine Projekte zu integrieren. „Zu diesen Prinzipien gehören zurückhaltende Beleuchtung, Filmkörnung, intensive Schatten und melancholische Schwarz-Weiß-Bilder. Ich habe sogar den Namen meiner Firma geändert, um die Verbindung zum Film Noir anzudeuten. ,Greg Noir‘ war leider schon belegt.“

Als Greg in die Musikfotografie einstieg, brachte er zwangsläufig seinen eigenen Stil mit. Für ihn hat das nichts mit unzulänglichen Farben oder dem Ausdruck von Frustration zu tun. Es geht einfach um Intuition. Schon beim Klick auf den Auslöser weiß er, ob er das Foto später in ein Schwarz-Weiß-Bild verwandeln wird. Er reserviert diesen Stil für Fotos, zu denen er eine starke Beziehung hat und die eine Geschichte erzählen. „Die Bilder im Stil des Film Noir gehören zu meinen besten Arbeiten. Wenn ich ein Foto in dieser Art aufnehme und bearbeite, geschieht das bewusst und hat eine spezielle Bedeutung.“

 
Foto von WAFFLE Crew beim Governors Ball Music Festival, bearbeitet mit Gregs Lightroom-Preset „Shadow“

Den eigenen Stil beim Fotografieren umsetzen

Da Greg bei Konzerten fotografiert, muss er sich jedes Mal auf ein Großereignis vorbereiten. Am Morgen eines solchen Termins steht er früh auf, notiert sich seine Ziele für den Tag und meditiert, um einen klaren Kopf zu bekommen. Zur Vorbereitung gehören die Prüfung und Formatierung von SD-Karten, die Reinigung der Objektive, das Entfernen von Staub auf den Sensoren, die Synchronisation der Kameras sowie die Überprüfung der korrekten Metadaten und Benennungskonventionen in Lightroom.

Auf dem Konzert selbst arbeitet Greg wie bei einer mit Soundtrack unterlegten Foto-Session nur mit dem Künstler, wobei er vergleichbare Bildeinstellungen und Kompositionen verwendet. Das Ziel: Beim Fotografieren von Live-Musik das Maximum an Emotionen zu erfassen. Das Problem: Da es sich um Live-Auftritte handelt, sind die Künstler unter Umständen nicht in optimaler Verfassung. An solch einem Abend werden ihre Emotionen bei der Performance eventuell nicht ausreichend übermittelt. In diesem Fall ist es die Aufgabe des Fotografen, eine Stimmung oder einen Moment zu kreieren, der so vielleicht gar nicht stattgefunden hat. Dafür hat Greg eine spezielle Methode: Er fotografiert den Künstler, wenn er blinzelt. „Das klingt vielleicht merkwürdig, doch ich habe tolle Fotos von Musikern mit geschlossenen Augen gemacht. Dabei scheint der Künstler so von freudigen oder traurigen Emotionen überwältigt zu sein, dass er die Augen schließen musste. In Wirklichkeit hat er aber einfach nur geblinzelt.“


Foto von Childish Gambino, bearbeitet mit Gregs Lightroom-Preset „Katana“

Den eigenen Stil mit Lightroom verfeinern

Nach dem Übertragen aller Fotos auf seine SSD, dem Erstellen von Ordnern und diversen Auswahlen in Adobe Bridge oder Lightroom kann Greg mit der Nachbearbeitung beginnen. „Ich verwende Lightroom CC besonders gerne für Live-Musikfotos, weil es eine so einfache und dennoch leistungsstarke Anwendung ist. Damit kann ich viel schneller arbeiten.“

Wir fragen Greg, ob er selbst Presets verwendet. „Aber ja! Ich habe einige Schwarz-Weiß-Presets erstellt, die ich nach Anime- und Ninja-Filmfiguren benannt habe. Meine Lieblingszusammenstellung heißt ‘Clean Cut’. Diese einfache Schwarz-Weiß-Presets verwende ich als Ausgangspunkt für zahlreiche Änderungen.“ Er zeigt uns sogar, wie er dabei vorgeht.

Greg erklärt uns, wie er seinen Stil auf dieses Foto angewendet hat. „Der Kontrast zwischen dieser Aufnahme und der Stimmung der Shinobi-Preset schien mir die einzig passende Wahl für die Details der Aufnahme zu sein.“

Probleme beim Abrufen von Presets für Lightroom? Hier eine Anleitung:

Lightroom CC (Version 1.3 und höher):

  1. Lade die Presets hier herunter.
  2. Öffne Adobe Lightroom CC.
  3. Wähle „Datei > Profile und Vorgaben importieren“.
  4. Wähle die heruntergeladene Preset-Datei aus, und klicke auf „Importieren“.
  5. Öffne das Foto, das du bearbeiten möchtest, und klicke rechts auf die Bearbeitungsleiste von Lightroom. Du findest die importierten Presets, wenn du auf die Schaltfläche „Vorgaben“ klickst.

Lightroom Classic CC (Version 7.3 und höher):

  1. Lade die Presets hier herunter.
  2. Entpacke die Datei auf deinen Computer.
  3. Öffne ein Bild in Lightroom, und wechsle zum Modul „Entwickeln“.
  4. Klicke im Bedienfeld „Vorgaben“ auf das Pluszeichen.  Wähle „Vorgaben importieren“.
  5. Navigiere zu den im ersten Schritt heruntergeladenen Presets.
  6. Klicke auf „Importieren“.

Foto von Janelle Monáe, bearbeitet mit Gregs Lightroom-Preset „Shinobi“

Aus Liebe zur Fotografie

Bevor wir Greg in seine aufregende Welt wilder Hip-Hop-Shows und tobender Rock-Auftritte zurückkehren lassen, stellen wir ihm eine letzte Frage: Was befeuert deine Leidenschaft? Denn bei dem Ausmaß an Energie und Spontaneität von Live-Musik weiß man nie, was am Ende dabei herauskommt. „Ob wildes Crowdsurfing und Stagediving oder eine Situation so voller Emotionen, dass Zuhörer und Künstler gleichermaßen zu Tränen gerührt sind – meine Begeisterung für diese Art von Fotografie wächst mit jeder Show.“

 


Foto von Goldlink, bearbeitet mit Gregs Lightroom-Preset „Clean Cut“

Beginne noch heute mit der Entwicklung deines eigenen Fotostils mit Lightroom.

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