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Reisefotografie: Der Blick fürs Detail

Beim Reisen sind es vor allem die kleinen Dinge – farbenfrohe Wandmalereien, unbekannte Stoffe, Mosaikböden, Blumen und noch viel mehr – die uns einen Einblick in die Kultur und die regionalen Besonderheiten ermöglichen. Wenn ihr diese Eindrücke einfangt, werden eure Fotos zu lebendigen Erinnerungen.

Fotos von Texturen lösen beim Betrachter oft den Impuls aus, das Foto berühren zu wollen. Wenn wir Aufnahmen von Mustern länger ansehen, kann es passieren, dass wir anfangen, das Muster in Gedanken fortzuführen oder Bewegung im Bild zu erkennen. Beide Reaktionen sind normal und intensivieren die Verbindung zwischen Foto und Betrachter. Der Mensch kann Dinge, die er berühren und sehen kann, besser erfassen. Fotos von Texturen und Mustern sprechen uns deshalb besonders an.

In der Fotografie macht es keinen Unterschied, ob Texturen oder Muster abgebildet werden, da beide Motive gleich verarbeitet werden. Aus diesem Grund ist im weiteren Text auch nur von Mustern die Rede – gemeint sind aber sowohl Muster als auch Texturen.

Das richtige Objektiv

Abb. 1: Toadstool Geologic Park, Harrison, Nebraska, USA – ISO 125; 1/1600 Sek. bei f/7,1; 28 mm

Beim Fotografieren von Mustern spielt das Equipment eher eine untergeordnete Rolle. Bei der Wahl des richtigen Objektivs ist weniger das Motiv, sondern vielmehr der Maßstab des Musters ausschlaggebend. Um zum Beispiel Textur und Körnung von Schleifpapier perfekt abzulichten, empfiehlt sich ein Makro- oder ein Mikroskopobjektiv. Für ein ausgetrocknetes Flussbett hingegen eignet sich ein Weitwinkel- oder Teleobjektiv – je nach Größe des fotografierten Bereichs (siehe Abb. 1).

 

 

 

 

 

Abb. 2: Virgin Gorda, Britische Jungferninseln – ISO 100; 1/250 Sek. bei f/5,6; 85 mm

Bergketten oder Wellen, die sich über einem Korallenriff kräuseln (siehe Abb. 2), lassen sich am besten ablichten, indem der zu fotografierende Bereich so gewählt wird, dass nur das eigentliche Muster, also die Berge oder Wellen, zu sehen sind, die dann mit längerer Brennweite fotografiert werden. Zieht also einen imaginären Rahmen um das Muster und legt das richtige Objektiv entsprechend dem gewählten Bereich fest. Probiert verschiedene Optionen aus, und wählt die Lösung, die für euer Muster am besten funktioniert.

 

 

 

 

Bildwinkel und Perspektive

Muster kommen meist am besten zur Geltung, wenn sie von oben oder von vorne fotografiert werden. Beim Ablichten von Bodenfliesen, Kopfsteinpflaster, Steinmauern oder abgeplatzter Farbe sollte das Objektiv parallel zur Fläche gehalten werden (siehe Abb. 3 bis Abb. 5). Aus dieser Perspektive gelingen relativ leicht scharfe Aufnahmen von Mustern, unabhängig von der verwendeten Blende und der daraus resultierenden Tiefenschärfe.

Abb. 5: New Orleans, Louisiana, USA – ISO 100; 1/160 Sek. bei f/5; 41 mm

Abb. 3: Mosaik im Temple Emanu-El, New York, USA – ISO 640; 1/60 Sek. bei f/2,8; 50 mm

Abb. 4: Chicago, Illinois, USA – ISO 400; 1/100 Sek. bei f/5,6; 79 mm

Abb. 6: Marvão, Portugal – ISO 2000; 1/160 Sek. bei f/5,6; 85 mm

Wenn man gemusterte Flächen aus einem bestimmten Winkel fotografiert, können interessante Bilder entstehen. Hält man das Objektiv in einem Winkel von 45° oder 90° zur Fläche, ändert sich die Perspektive, und das Bild wirkt dynamischer (siehe Abb. 6).

Ein ungewöhnlicher Winkel kann die Dimensionalität (siehe Abb. 7), den Eindruck von endloser Wiederholung (siehe Abb. 8) oder konvergent verlaufende Linien in einem Muster (siehe Abb. 9) besser vermitteln.

 

 

 

Abb. 9: Met Breuer, New York, USA – ISO 2500; 1/125 Sek. bei f/7,1; 18 mm

Abb. 7: National Portrait Gallery, Washington, D.C., USA – ISO 100; 1/125 Sek. bei f/5,6; 85 mm

Abb. 8: Forest Hills, New York, USA – ISO 400; 1/60 Sek. bei f/1,7; 50 mm

Wenn ihr Muster aus einem bestimmten Winkel ablichtet, könnt ihr entweder das übergeordnete Motiv mit Fokus auf das Muster erfassen – mit einer Blendenzahl zwischen f/8 und f/22 (siehe Abb. 10) – oder die Fortführung des Musters durch eine größere Blendenzahl wie f/1,4 oder f/2,8 und kleiner Tiefenschärfe andeuten (siehe Abb. 11).

Abb. 10: Indianapolis, Indiana, USA – ISO 200; 1/100 Sek. bei f/10; 73 mm            Abb. 11: Minneapolis, Minnesota, USA – ISO 100; 1/200 Sek. bei f/4,5; 22 mm

Mustervielfalt

Mathematisch gesehen ist ein Muster die exakte Wiederholung eines Werts oder einer Formel. Muster unterliegen Regeln und erfordern hohe Präzision. In der Kunst ist der Begriff weiter gefasst und kann in drei Kategorien unterteilt werden: „Wiederholung“ (ein Objekt wird wieder und wieder repliziert), „Motiv“ (Objekte oder Elemente kehren in vorhersehbarer Reihenfolge wieder) und „Rhythmus“ (Objekte oder Elemente kehren in variierender oder unvorhersehbarer Reihenfolge wieder). Ein guter Fotograf erkennt jede der drei Kategorien – Wiederholung (siehe Abb. 12), Motiv (siehe Abb. 13) und Rhythmus (siehe Abb. 14) – in einem Muster und richtet die Bildkomposition entsprechend aus.

Abb. 14: Michigan Avenue, Chicago, Illinois, USA – ISO 160; 1/1000 Sek. bei f/3,5; 20 mm

Abb. 12: Santa Monica Pier, Santa Monica, Kalifornien, USA – ISO 100; 1/160 Sek. bei f/2,8; 50 mm

Abb. 13: Los Angeles, Kalifornien, USA – ISO 500; 1/30 Sek. bei f/3,5; 20 mm

 

Man muss kein Mathegenie sein, um gute Fotos machen zu können. Es geht um Schönheit und nicht um Präzision. Wenn ihr bewusst darauf achtet, werdet ihr überall einfache, motivbasierte oder rhythmische Wiederholungen von Mustern erkennen – in der Architektur, in der Natur und so weiter. Experimentiert beim Fotografieren. Sucht nach interessanten Möglichkeiten, ein Muster zu erfassen und hervorzuheben.

Ihr könnt zum Beispiel auf die Unterbrechung eines Musters aufmerksam machen (siehe Abb. 15). Oder haltet Ausschau nach einem oder mehreren Mustern, die die Illusion einer Bewegung oder Verzerrung erzeugen (siehe Abb. 16) oder auch Harmonie beziehungsweise Disharmonie ausdrücken. Muster mit geraden oder konvergent verlaufenden Linien können dazu dienen, den Betrachter durch ein Bild zu führen.

Abb. 15: Ein offenes Fenster unterbricht das Muster. New Orleans, Louisiana, USA – ISO 400; 1/100 Sek. bei f/4,5; 20 mm

Abb. 16: Granada, Nicaragua – ISO 160; 1/125 Sek. bei f/5,6; 85 mm

 

Wer nach Mustern Ausschau hält, sieht und erfasst Alltägliches mit anderen Augen (siehe Abb. 17). Muster findet man zum Beispiel im Spiel von Licht und Schatten (siehe Abb. 18) oder in den Produktauslagen in Ladengeschäften (siehe Abb. 19).

Abb. 19: Ronda, Spanien – ISO 100; 1/400 Sek. bei f/5,6; 85 mm

Abb. 17: Hagelkörner auf einem Glastisch, Paris, Illinois, USA – ISO 100; 1/250 Sek. bei f/3,5; 50 mm

Abb. 18: Santa Monica, Kalifornien, USA – ISO 125; 1/1600 Sek. bei f/7,1; 28 mm

 

Auszug aus The Enthusiast’s Guide to Travel Photography von Jordana Wright (mit Genehmigung von Rocky Nook).

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