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Von der Straße zur Fußball WM – ein Interview mit AKUsepp

Eigentlich war Sebastian Spasic, auch bekannt als AKUsepp, Street-Fotograf aus dem Pott, der als Fußballfan die großen Spiele vor dem Fernseher, selten mal auf den Rängen, verfolgte. Besucht man seine Website, scheint es schwer vorstellbar, dass dies erst wenige Jahre zurückliegen soll. Neben den Beweisfotos seiner Street-Fotografie-Herkunft, blicken einem plötzlich Zlatan Ibrahimovic, Sergio Ramos und Kun Aguero entgegen, aufgenommen aus nächster Nähe. Doch wie schafft man es, von Paderborn an den Spielfeldrand der Champions League-Kracher? Wir haben bei ihm nachgefragt und uns mit ihm über seine Tipps zur Sportfotografie, sowie einige Anekdoten aus den berühmtesten Stadien der Welt unterhalten.

Moin Sepp. Eine Frage müssen wir direkt am Anfang stellen: Wie kam es dazu, dass du mittlerweile für Teams wie Bayern München, Paris St. Germain und die spanische Nationalmannschaft fotografierst?

Das war eher Zufall als lang gehegter Plan. Paris St. Germain suchte einen Fotografen, der das Spielgeschehen, die Fans, Stimmung, das Stadion anders und authentisch einfangen konnte, fernab von klassischer Matchday-Fotografie. Ein Pariser Fotograf brachte dann meinen Namen ins Gespräch, obwohl ich keine rechte Erfahrung im Bereich der Sportfotografie hatte. Ihnen gefiel wohl aber meine lifestylige Fotografie und meine Art, die Atmosphäre eines Ortes einzufangen, also haben sie es einfach mal drauf ankommen lassen. Und auf einmal stand ich direkt hinter dem Linienrichter, als sich Paris und Chelsea in der Champions League trafen.

Mal eben der Kindheitstraum vieler Fußballfans. Wie ging es dann weiter für dich?

Die Sportfotografie wurde zu meiner Leidenschaft – und Herausforderung. Ich habe mich mit Techniken und Equipment auseinandergesetzt und versucht, mich stetig zu verbessern, besonders auf den Kreisligaplätzen dieser Welt. Darüber hinaus wollte ich nicht einfach andere Fotografen kopieren, sondern eher meinen Style durch spezielle Winkel, Bildlooks und Kompositionen aus der Street Photography anwenden, um mich so von anderen Fotografen abzusetzen. Leidenschaft und harte Arbeit haben sich hier für mich bezahlt gemacht, sodass ich mittlerweile dank meiner Zusammenarbeit mit Adidas die Bolzplätze dieses Landes gegen die größten Stadien der Welt eintauschen konnte.

Dein ganz eigener Stil scheint sich rumgesprochen zu haben. Welche anderen Sportereignisse konntest du mittlerweile mit der Kamera in der Hand hinter den Kulissen erleben?

Neben den Fußballspielen war zum Beispiel das diesjährige Final Four (March Madness) der NCAA in San Antonio, Texas ein absolutes Highlight. Das College Basketball Finale genießt in den USA einen unglaublich hohen Stellenwert und dort vom Parkett aus zu fotografieren, während 70.000 Zuschauer den Alamo Dome zum Beben bringen, war unglaublich. Außerdem war mit Moritz Wagner ja auch ein deutscher Spieler dabei, den ich während ein paar Dunks festhalten konnte. Dem Renault Formel 1 Team bei Ihrer Saisonvorbereitung über die Schulter zu schauen, war ebenfalls spannend.

Wer so rumgekommen ist, hat sicherlich auch ein, zwei Dinge auf dem Weg mitgenommen, die ihm beim Fotografieren helfen. Was sind deine Tipps an andere Fotografen, die das Geschehen vom Spielfeldrand aus einfangen wollen?

Es hilft natürlich, wenn man selber Fan des Sports ist und das Spiel „verstehen“ und lesen kann. Damit meine ich nicht, die Abseitsfalle erklären zu können. Wer spielt gegen Wen? Wie spielen diese Mannschaften taktisch? Wer ist der Goalgetter des Teams? In den ersten Minuten kann man schon gut erkennen, wie das Spiel laufen kann und ich welche Hälfte sich das Spiel verlagert. Dementsprechend sollte man sich am Spielfeldrand positionieren. In den meisten Fällen stehe ich seitlich hinter einem der Tore um Strafraumsituationen aufzunehmen. An der Seitenauslinie kann es durchaus sein, dass der Linienrichter einem mehrmals ins Bild rauscht und so ein gutes Foto verhindert.

Das klingt einleuchtend. Und wenn ich nun das Spiel analysiert habe, richtig sitze und der Linienrichter mitspielt, auf welche technischen Aspekte kommt es dann an?

Das richtige Equipment spielt schon eine große Rolle. Eine Spiegelreflexkamera mit der Möglichkeit Teleobjektive (ab min. 200mm Brennweite aufwärts) zu verwenden ist leider unerlässlich, um Zweikämpfe und Aktionen im Mittelfeld bildfüllend zu fotografieren. Da kommt man mit der geringeren Brennweite einer Kompaktkamera nicht mit. Die Lichtstärke des Objektivs und eine schnelle Serienbildfunktion sind ebenfalls entscheidend, um den besonderen Moment bei jeder Tageszeit und Wetterlage ordentlich vom Hintergrund abzusetzen oder sich den Lichtverhältnissen im Stadion anzupassen.

Mit welchem Equipment bist du denn vor Ort, um all jene Bedürfnisse zu erfüllen?

Ich gehe immer mit zwei Kamerabodies an den Start. Ein Body ausgerüstet mit einem Teleobjektiv, der andere mit einem Weitwinkel. So kann ich je nach Situation reagieren und verpasse nie den entscheidenden Moment. Und noch ein Hinweis: Bringt euch einen Hocker und ein Einbeinstativ mit.  Denn 90 Minuten in gebückter Haltung hinter der Bande stehen macht wirklich keinen Spaß. Das habe ich einst schmerzhaft gelernt.

Sicher hast du auch Einiges erlebt, was du nicht mit der Kamera eingefangen hast.  Welche dieser Momente oder Begegnungen der letzten Jahre werden dir noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben?

Ich habe etliche Anekdoten von den Fußballplätzen dieser Welt, sei es vom lokalen Sportplatz in meiner Nachbarschaft, der Allianz Arena in München oder dem Parc des Princes in Paris. Ein Jerome Boateng, der sich während der diesjährigen Meisterfeier hinter mir versteckt, um Sven Uhlreich nach seinem Sky-Interview mit einer Weißbierdusche zu überraschen. Oder ein David Luiz, der sich bei jedem Foto, dass ich von ihm machen wollte erstmal in den Schritt greift und eine Grimasse zieht, um mich zu ärgern.

Aber für den Fußballfan und kleinen Jungen in mir war es wahrscheinlich am Coolsten, während eines Events des FC Barcelona selber einige Elfmeter im legendären Nou Camp Stadion  zu (ver)schiessen. Einen Vertrag haben sie mir nach der Performance jedenfalls nicht angeboten. Als ich die Chance verhauen habe, wusste ich, dass ich wohl lieber hinter der Kamera statt vor ihr sein sollte.

Danke dir für das Gespräch!

Derzeit ist AKUsepp für Adidas bei der WM in Russland im Einsatz. Auf seinem eigenen Instagram Account und dem von Adidasfootball könnt ihr die WM und ihre Stars also hautnah miterleben. Lust auf noch mehr Fotografie, Illustration, Videos und Composing, dann folgt Adobe Creative Cloud auf Instagram.

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