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Ikonografie, Typografie und Twitter: Jeremy Reiss über den Charakter von Produkten

Design und Baseball, das sind die beiden Leidenschaften von Jeremy Reiss. Durch die Kombination aus beiden landet er schließlich einen Homerun. Jeremy Reiss twittert viel. Aber dass Twitter wegen einer seiner Arbeiten – einer Illustration zum Thema Baseball mit eigener Typografie – mal bei ihm anklopfen würde, hätte er nicht gedacht.

Jetzt ist er Teil des Twitter-Teams für Produkt-Design, wo er sein Wissen über Typografie und Ikonografie bei der subtilen Neugestaltung der App einbringen kann. Wir haben ihn gebeten, uns seine Arbeit zu zeigen und uns ein paar Tipps zu geben, wie Designer mithilfe von Typografie und Ikonografie ihren Werken Charakter verleihen können.

Wie können Designer ihren Apps oder Websites Charakter verleihen?

Zuallererst muss ein Designer gemeinsam mit seinen Kunden (den Entscheidern) herausfinden, was diese unter „Charakter“ verstehen. Wenn das klar ist, ist meiner Meinung nach eine auf das Unternehmen abgestimmte Kombination aus Farbe, Typografie und eingängigen visuellen Elementen der Schlüssel zu Design mit Charakter.

Wie machst du das für Twitter?

Als ich gebeten wurde, die Twitter-Icons zu überarbeiten, war schnell klar, dass ich zwei Dinge tun musste: die Icons stilistisch vereinheitlichen und ein Design finden, das Twitter einen persönlicheren Touch verleiht.

Die einheitliche Optik haben wir erreicht, indem wir bei allen Icons die gleiche Konturstärke verwendet haben. Um die Icons einladender und weniger streng wirken zu lassen, haben wir alle Ecken abgerundet.

Warum spielen Typografie und Ikonografie im Design des 21. Jahrhunderts eine so große Rolle?

Typografie transportiert sehr schnell einen gewissen Charakter. Mit einem Blick kommt rüber, ob Inhalte verspielt oder seriös, unterhaltsam oder nüchtern, abgehoben oder nahbar sind. Egal ob es um individuelle oder selbst gezeichnete Typen oder um Schriften von professionellen Anbietern geht – sie alle haben ihre eigene Charakteristik.

Spätestens seitdem wir alle ein Mobilgerät mit uns herumtragen, wollen wir auch nicht lange auf Antworten warten. Hier kommt die Ikonografie ins Spiel, denn Icons sind die Bildsprache, die uns schnell zu den gesuchten Antworten führen.

Wie bist du im Bereich Design ausgerechnet auf Schriften, Symbole und Grafiken gekommen?

Ich fand schon als kleiner Junge die Schilder für den Garagenflohmarkt toll, die mein Vater damals gemalt hat. Sie waren nur aus einfacher weißer Pappe, aber mit seinen schön herausgearbeiteten, handgemalten Buchstaben und den Farben machte mein Vater daraus echte Hingucker, die die Leute angelockt haben. Ich habe seitdem nie wieder so schöne Schilder für einen Garagenflohmarkt gesehen. Das war, glaube ich, der Auslöser für meine Leidenschaft für Design.

Welchen Herausforderungen müssen Designer sich heute stellen?

Bei Illustrationen wird es immer schwieriger, sich stilistisch von anderen abzuheben und sich einen Namen zu machen. Es gibt so viele Plattformen, auf denen Designer ihre Arbeiten veröffentlichen und sich Inspiration holen können. Bei all diesen tollen Arbeiten ist es aber auch umso schwieriger, bemerkt zu werden.

Da es Apps und Webstandards nun schon eine Weile gibt, gibt es für die meisten Projekte Richtlinien und Vorlagen. Also liegt die Herausforderung darin, im Rahmen der Vorgaben mit originellen, frischen Ideen aufzuwarten.

In welche Richtung entwickelt sich Design?

Alles läuft darauf hinaus – oder ist womöglich schon so – dass junge Designer in sehr frühen Phasen ihrer Karriere immer ausgefeiltere Designs entwickeln. Die moderne Technologie hat hier die Tür zu schnelleren Lernprozessen geöffnet.

Auf seiner Website könnt ihr Jeremys Designs und seinen professionellen Einsatz von Typografie sehen. Oder ihr folgt ihm auf Twitter.

Design, Illustration, Typografie

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