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Wie man ein Zeitraffer-Video macht: Teil Eins

Zeitrafferaufnahmen werden seit vielen Jahren zur Veranschaulichung von Vorgängen verwendet, die für das menschliche Auge sonst kaum wahrnehmbar sind. Dazu gehören z. B. das Schmelzen von Eiswürfeln oder das „Wandern“ der Milchstraße über den Nachthimmel. Im Folgenden möchten wir euch ein paar Tipps für das Aufnehmen und Bearbeiten von Zeitraffer-Videos geben. 

Gemeinsam mit dem Fotografen und Filmemacher Andrew Studer und der Fotografin Serena Ho hat der in San Francisco lebende Landschafts-, Zeitraffer- und Luftbildfotograf Michael Shainblum ein Zeitraffer-Video in den Dolomiten aufgenommen. Weitere Infos dazu findet ihr auf seiner Website.

Im Folgenden zeigt euch Michael, welche Ausrüstung er für Zeitrafferaufnahmen verwendet:

Zeitrafferaufnahmen können auch mit einem Mobiltelefon erstellt werden, das an einen Felsen angelehnt wird. Eine etwas bessere Ausrüstung bietet jedoch weitaus mehr Möglichkeiten.

  • Kamera: Michael verwendet eine Canon EOS 6D und eine Sony a7S. Ihr könnt aber auch jede andere digitale Spiegelreflex- oder spiegellose Kamera nehmen.
  • Objektive: Die Objektive für Standbilder eignen sich auch für Zeitrafferaufnahmen. Michael packt normalerweise ein Weitwinkelobjektiv (17–40 oder 14–24 mm) ein, eines mit mittlerer Brennweite (24–105 mm) sowie ein Teleobjektiv mit einer Brennweite von 70–200 mm.
  • Stativ: Prinzipiell kann man jedes Stativ verwenden. Wenn aber bis zum Aufnahmeort eine Wanderung nötig ist, spielt das Gewicht des Stativs eine Rolle. Daher verwendet Michael die Modelle Induro CLT204 und CLT104, denn die sind leicht und trotzdem stabil.

 

  • Intervalometer (Intervallauslöser): Mit diesem Gerät wird die Aufnahme in einem festgelegten Intervall ausgelöst. Um z.B. die Bewegung von Wolken über eine Zeitspanne von 15 Minuten zu zeigen, könnt ihr das Intervalometer so einstellen, dass alle 2 Sekunden ein Foto aufgenommen wird.
  • Speicherkarte: Empfehlenswert ist eine sehr schnelle Speicherkarte mit ausreichend Platz für viele RAW-Bilder. Michael verwendet Speicherkarten mit 64 oder 128 GB und einer Schreibgeschwindigkeit von mindestens 100 MB/s. Insgesamt hängt die geeignete Kapazität von der Auflösung der Kamera, der Dateigröße und der Anzahl der Aufnahmen ab.
  • Filter: Filter sind bei Zeitrafferaufnahmen nicht zwingend erforderlich. Wenn man jedoch bei Tageslichtaufnahmen die Verschlusszeit verlängern möchte, ist ein ND-Filter (Neutraldichtefilter) ratsam. Er verringert den Lichteinfall. Am häufigsten verwendet Michael ND-Filter mit den Verlängerungsfaktoren 3 und 6.

 

Einstellungen für Zeitrafferaufnahmen

Bei der Aufnahme von Standbildern für eine Zeitrafferaufnahme müssen einige wichtige Punkte beachtet werden.

  • Fokus: Auf manuell setzen.
  • Verschlusszeit: Auf manuell setzen. Bei manchen Motiven verwende ich gerne eine lange Verschlusszeit, weil das Zeitraffervideo dann aufgrund der Bewegungsunschärfe weniger ruckelig erscheint und außerdem Personen oder Autos in der Aufnahme weniger wahrnehmbar sind.

Bei euren ersten Zeitrafferaufnahmen solltet ihr eine Zeit mit relativ konsistenten Lichtverhältnissen wählen, also z. B. nur tagsüber oder nur nachts. Bei starken Lichtänderungen wie beim Übergang von Tag zu Nacht muss die Kamera auf Zeitautomatik gestellt werden. Dabei wird der Blendenwert fixiert, die Verschlusszeit jedoch an die jeweiligen Lichtverhältnisse angepasst. Das kann zu einem Flimmern führen, einem unerwünschten Effekt, dessen Korrektur recht zeitaufwendig ist.

Eine Aufnahme der Dolomiten, nachdem die Sonne untergegangen ist.

  • Blende: Bei einer größeren Blende, z.B. f/4 oder f/5,6, wird Staub auf dem Sensor nicht erfasst, was bei einem Wert von f/18 oder f/22 häufig der Fall ist. Bei einzelnen Fotos lassen sich Staubflecken im Nachhinein leicht entfernen, doch bei Zeitrafferaufnahmen ist das ziemlich aufwendig. Außerdem kann eine größere Blendenöffnung auch das Flimmern reduzieren.
  • ISO: Wie bei Standbildern sollte ein möglichst geringer ISO-Wert verwendet werden, um das Rauschen zu verringern. Bei Nachtaufnahmen muss man jedoch eine höhere ISO-Zahl einstellen, damit mehr Licht erfasst wird. In so einer Situation nimmt Michael mit der Sony a7S ISO 6400 oder sogar 12800 auf.
  • Intervall: Die Auswahl des richtigen Zeitintervalls zwischen den Aufnahmen ist enorm wichtig. Die Daumenregel lautet: Je schneller sich ein Motiv bewegt, desto kürzer sollte das Intervall sein. Es hängt allerdings auch vom gewünschten Ergebnis ab.
    • Autos und Personen: 1–2 Sekunden
    • Nebel oder niedrige, schnell ziehende Wolken: 1–2 Sekunden
    • Hohe und langsamer ziehende Wolken: 2–3 Sekunden
    • Sterne und Milchstraße: 15–30 Sekunden
    • Stadtaufnahmen von Sonnenuntergang bis in die Nacht: 5–7 Sekunden
  • RAW oder JPEG: RAW-Bilder brauchen zwar viel Speicherplatz, lohnen sich aber wegen der besseren Bearbeitungsmöglichkeiten.

Tipps zur Bearbeitung von Zeitrafferaufnahmen in Adobe Photoshop Lightroom CC und Adobe After Effects CC bekommt ihr in unserem Zeitraffervideo erstellen – Teil 2!  

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