Creative Connection

August 18, 2019 /Design /Kreativ-Business /

Kreativität als wichtigster Soft Skill für Unternehmen

Kreativität gehört für Unternehmen aktuell zu den wichtigsten Soft Skills. Und dank Künstlicher Intelligenz bleibt endlich auch die notwendige Zeit für kreative Freiräume. Denn KI und maschinelles Lernen erledigen Routineaufgaben schneller und präziser als ein Mensch.

Dank technologischer Weiterentwicklung gehören Aufgaben wie zeitaufwändige Tabellenkalkulationen oder das händische Zusammentragen von Benutzerdaten der Vergangenheit an.

Und das ist erst der Anfang. In einem Interview mit 60 Minutes prognostizierte der Risikokapitalgeber und Tech-Autor Kai Fu Lee,  KI werde innerhalb der nächsten 15 Jahre 40 Prozent der heutigen Arbeitsplätze ersetzen. Das muss jedoch nicht zwangsläufig eine schlechte Nachricht sein: „Zwar werden zahlreiche Routineaufgaben entfallen. Im Gegenzug entstehen jedoch viele neue Arbeitsplätze, bei denen Empathie gefragt ist.“ Denn wenn eine KI einfache, repetitive Aufgaben übernimmt, bleibt Mitarbeitern mehr Zeit für Aufgaben, die menschliche Vorstellungskraft und implizites Verständnis erfordern.

LinkedIn hat kürzlich in einer Studie mehrere hunderttausend Stellenausschreibungen ausgewertet. Das Ergebnis: Kreativität ist für Unternehmen 2019 die Nummer eins unter den Soft Skills. Eine globale Studie von Adobe belegt zudem, dass Unternehmen, die in Kreativität investieren:

  • eine erhöhte Mitarbeiterproduktivität verzeichnen (78 Prozent)
  • zufriedenere Kunden haben (80 Prozent) und ein besseres Kundenerlebnis erzielen (78 Prozent)
  • Innovationen fördern (83 Prozent) und finanziell erfolgreicher sind (73 Prozent)

Ersetzt Technologie menschliche Kreativität?

Hits komponieren, Kunstwerke erschaffen und überzeugende Artikel schreiben: All das kann KI bereits. Bedeutet zunehmend intelligentere Technologie das Aus für kreative Berufe?

Als Präsident von Adobe EMEA steht Paul Robson an der Spitze eines Unternehmens, das Kreativität und Technologie zusammenbringt. Er ist überzeugt: Algorithmen können den menschlichen Geist niemals ersetzen: „Das Zusammenspiel von Technologie und menschlichen Eigenschaften ermöglicht es uns, bessere Produkte zu entwickeln. Emotionale Zusammenhänge zu verstehen, ist und bleibt jedoch eine genuin menschliche Fähigkeit. Keine KI könnte je die Erinnerungen und Gefühle verstehen, die Menschen mit einer Marke verbinden – Gerüche, die uns direkt in die Kindheit zurückversetzen oder Lieder, die wir als Teenager in Dauerschleife gehört haben, die Kondensation an einer Colaflasche und das Gefühl, einen langen Tag mit einem schönen Glas Wein oder einem kühlen Bier ausklingen zu lassen.“

Studien zeigen: Ein gezielter Technologieeinsatz kann zwar die Kundenzufriedenheit optimieren, doch der wirkmächtigste Wettbewerbsvorteil bleibt die emotionale Verbindung zwischen Marke und Kunde. Anders gesagt: Wir brauchen mehr Zeit für Aufgaben, die echte Empathie erfordern. Doch die Realität sieht anders aus: „Kreativ-Profis verbringen aktuell viel Zeit damit, zu recherchieren, zu archivieren, verschiedene Assets zusammenzutragen, zu sortieren und die gesammelten Daten auszuwerten. Mithilfe digitaler Technologien können Unternehmen repetitive Aufgaben an eine KI auslagern und mehr Raum für menschliche Kreativität schaffen“, so Robson weiter.

Der Großteil der Kreativen würde den vermehrten Einsatz von KI begrüßen. Das zeigt eine Studie von Pfeiffer Consulting. Mehr als die Hälfte von ihnen interessiert sich für die neuen Möglichkeiten, die KI und maschinelles Lernen bieten.

Personalisierung ist entscheidend

Tatsächlich erhöhen technikgestützte Innovationen derzeit den Bedarf an menschlicher Kreativität. KI, maschinelles Lernen und Big Data ermöglichen tiefer gehende Einblicke in die Präferenzen und Verhaltensweisen verschiedener Zielgruppen. Auf dieser Basis können Marken jeden Kunden individuell mit maßgeschneiderten Botschaften ansprechen, statt sich auf mehr oder minder präzise umrissene Kundensegmente verlassen zu müssen.

Doch zwischen Anspruch und Realität klafft eine Lücke: Zwar halten 70 Prozent der Kreativen und Marketingspezialisten die konsequente Personalisierung von Inhalten und Designs entlang der gesamten Customer Journey für wichtig, doch nur 28 Prozent sehen ihr Unternehmen als Vorreiter in diesem Bereich.

Ganz anders Netflix: Welche Filme und Serien wir uns ansehen, wird maßgeblich durch die von einem Algorithmus vorgeschlagenen Empfehlungen beeinflusst. Und je mehr Inhalte wir uns ansehen, desto präziser funktionieren die Vorschläge. Denn basierend darauf, was wir uns wann, wie lange und wie oft ansehen,  wird die Interaktion ständig verfeinert und die Zuschauererfahrung mit jedem Mal verbessert.

Tatsächlich hat das Unternehmen, basierend auf den historischen Kundendaten der erfolgreichen Eigenproduktion „House of Cards“, verschiedene Trailer für die Serie produziert. Je nachdem, ob Zuschauer sich eher Filme mit Kevin Spacey oder Filme unter der Regie von David Fincher oder aber Sendungen mit einer starken weiblichen Hauptrollen angesehen hatten, wurden ihnen andere Trailer gezeigt.

Einer globalen Studie von SoDA und Forrester zufolge stimmten 56 Prozent der Führungskräfte und Agenturen der Aussage zu, dass „die KI-Technologie die Art und Weise, wie wir Kundeninteraktionen planen und gestalten, erheblich beeinflussen wird“.

Die Entwicklung  bietet zwar große Chancen, erfordert aber zunehmend mehr Inhalte. Unternehmen benötigen heute immer schneller immer mehr personalisierte Inhalte – und Kreative, die auf Basis vorliegender Daten personalisierte Kundenerlebnisse gestalten können.

Dafür muss auch die Optik stimmen: Studien zeigen, dass fast zwei von drei Befragten (65 Prozent) gutes Design heute für wichtiger halten als noch vor fünf Jahren. Und fast die Hälfte (45 Prozent) der Verbraucher hat eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr mehr für ein gut gestaltetes Produkt oder einen gut designten Service ausgegeben.

Doch der Wettbewerb wird härter. „Kunden setzen eine nahtlose und maßgeschneiderte Customer Experience zunehmend voraus. Egal ob Versicherung oder Fluggesellschaft, Messlatte ist immer das beste Kundenerlebnis. Für Unternehmen heißt das: Die Konkurrenz liegt nicht nur in der eigenen Branche, sondern im gesamten Markt. Wer nicht schnell genug auf die neue Situation reagiert, wird unweigerlich hinter die Konkurrenz zurückfallen“, so Robson.

Kreativität betrifft das gesamte Unternehmen

Kreativität ist keine angeborene Fähigkeit – jeder Mensch hat seinen eigenen schöpferischen Funken. Dennoch legen Unternehmen ihre Mitarbeiter noch immer auf fixierte Aufgabenbereiche fest. Doch institutionelle Reglungen sind das genaue Gegenteil von Kreativität. Robson ist überzeugt, dass man einen anderen Ansatz in Betracht ziehen sollte: „Jeder Mensch ist auf seine Art und Weise kreativ.  Als Geschäftsführer und Unternehmen sollten wir deshalb zwischen „pro-kreativen“ und „co-kreativen“ Menschen unterscheiden. Denn je mehr Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend kreativ mitwirken, sei es durch Technologie oder durch gemeinsame Projekte, desto innovativer wird das Unternehmen.“

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Wir zeigen euch, wie ihr in eurem Unternehmen Kreativität fördern könnt:

  • Jam-Sessions

Zusammenarbeit verbessert nachweislich das kreative Denken. Unternehmensweite Jam-Sessions bringen Kreative mit Vertriebs-, IT- und Kundenserviceexperten zusammen, um gemeinsam an einem kreativen Projekt zu arbeiten. Denn oft bringt gerade der Austausch verschiedener Perspektiven die originellsten und innovativsten Ideen hervor. Gmail und AdSense sind zwei Produkte aus dem Hause Google, die aus solchen Kollaborationen hervorgegangen sind. Cloud-basierte technische Werkzeuge können diesen Prozess unterstützen, da sie allen den Zugriff auf einen gemeinsamen Arbeitsbereich ermöglichen.

  • Design Thinking

Dank Design Thinking können Teams ihre Kreativität bündeln, um auf die Probleme und Bedürfnisse ihrer Kunden einzugehen. Denn nur wer seine Kunden genau kennt, kann ihnen die richtigen Lösungen anbieten. Das Zusammenspiel aus Datenanalyse, Empathie und kreativem Denken ermöglicht es Unternehmen, ihre Produkte und Dienstleistungen immer weiter zu optimieren. Mithilfe von Technologie können wir Designtheorien einem Realitätscheck unterziehen, indem wir Daten automatisch verfolgen, aufzeichnen und den Erfolg vergleichen. So profitieren alle Teams von neuen Erkenntnissen und können sie entsprechend umsetzen.

  • Auch Kundenkontakt kann kreativ!

Marken sollten alle Mitarbeiter ermutigen, ihre Kreativität einzubringen. Das gilt insbesondere für den Kundenkontakt. Denn mehr kreative Ideen führen zu vielfältigeren Perspektiven, Problemlösungsstrategien und Innovationsansätzen – und damit zu spannenderen Kundenerlebnissen.

Was kommt als Nächstes?

Laut Robson besteht der nächste Schritt darin, Technologie und Kreativität zu integrieren, um sie zugänglicher und mobiler zu machen. „Zündende Ideen entstehen selten am Computerbildschirm, sondern meist unterwegs: Morgens beim Duschen, im Gespräch mit Kollegen oder Freunden.“

Da wir heutzutage die Möglichkeit haben, auf jedem Gerät zu entwerfen und gestalten, können wir jederzeit und überall kreativ sein. Und auch sprachgesteuerte Menüs fördern den Lernprozess. Denn je weniger Zeit und Nerven man für die Einarbeitung in neue Technologien braucht, desto mehr Energie bleibt für kreative Prozesse.

Gerade weil KI zunehmend an Bedeutung gewinnt, wird menschliche Kreativität zum größten Vermögenswert und Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens: „Traditionell unterscheiden wir strikt zwischen Kunst und Wissenschaft. Dabei ergänzen sich die beiden Disziplinen wunderbar: Im Zusammenspiel liefern Daten und Kreativität herausragende Ergebnisse, denn KI und maschinelles Lernen geben der Kreativität den nötigen Freiraum, sich voll zu entfalten“, fasst Robson zusammen.

 

Design, Kreativ-Business

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