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Variable Fonts auf dem Vormarsch – warum du sie lieben wirst

Text gut aussehen und schnell laden zu lassen ist eine Herausforderung – sowohl für Designer, als auch für Entwickler. Gutes typografisches Design erfordert oft viele verschiedene Schriftartvarianten mit einer Datei für jede Variante. Aber die Verwendung mehrerer Schriftarten für eine Website oder App verlangsamt die Ladezeit. Diese Faktoren, also Leistung und Aussehen, wirken wie Gegensätze, die sich nicht vereinen lassen – wie Öl und Wasser. Doch vor einem Jahr steckten kluge Menschen ihre Köpfe zusammen, um das Problem zu lösen.

„Apple, Google und Microsoft gingen die Sache zunächst mit viel Interesse für den Aspekt der Dateikomprimierung für Schriftarten auf Geräten an“, erinnert sich Sairus Patel, Leiter und Stratege für Fonttechnologie bei Adobe. „Adobe hatte Mitte der 90er Jahre die Technologie Compact Font Format (CFF) erfunden. Das war unser erster bedeutender Beitrag zu OpenType. Daher verstanden wir den Ruf nach Kompaktheit durchaus. Dieses Mal erstellten wir zu diesem Zweck eine variable Version von CFF. Von den typografischen Möglichkeiten waren wir dann wirklich begeistert.“

OpenType Variable Fonts – eine Lösung für Form als auch für Funktion – sind für die digitale Typografie ein großer Schritt nach vorn. Das Format sorgt für ein echt dynamisches Designerlebnis, weil es die Anpassung von Schriftarten für eine bessere Lesbarkeit auf kleinen Bildschirmen ohne Integritätsverlust ermöglicht. Wir wissen jetzt schon, dass Designer und Entwickler das neue Format lieben werden. Und zwar aus den folgenden Gründen.

Integrität bei endlosen Variationen

Mit OpenType Variable Fonts können Schriftarten erstellt und verkauft werden, die sich den Anforderungen von Designern und Lesern genauso anpassen, wie es die Schriftdesigner beabsichtigt haben. Mit Variationen auf über 64.000 Achsen sind die Möglichkeiten grenzenlos.

Quelle: CJType mit der variablen Font Dunbar

„Die verfügbare Variabilität ist endlos“, erklärt Brian Barrus, President und Kreativdirektor von Studio Element. „Zum jetzigen Zeitpunkt lässt die Schriftstärke bestenfalls die Optionen stark, normal, mager und fett zu. Variable Fonts ermöglichen endlose Optionen zwischen den standardmäßigen Schriftstärken und über das gesamte Spektrum. Zusätzlich kann der Text nach Bedarf verdichtet oder ausgedehnt werden, ohne dabei die Form der Buchstaben zu verzerren.“

Da OpenType Variable Fonts so viele Funktionalitäten besitzen, sind Fehler durch Schriftnutzer – zum Beispiel Streckung, unechter Fettdruck, Schrägstellung etc. – weniger wahrscheinlich. Schriftdesigner können zudem mithilfe von variablen Fonts Stile für verschiedene Verwendungszwecke anbieten – wie etwa extrem kleine Schriftgrößen oder Kapitälchen.

„Schriftdesigner treffen beim Zeichnen einer Schrift für die Verwendung mit besonders kleinen Größen andere Entscheidungen hinsichtlich Form und Abstand als für die Verwendung mit sehr großen Größen“, erklärt Tim Brown, Leiter Typografie für Adobe.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die verschiedenen Schriftarten innerhalb einer Schriftfamilie – egal, ob groß, klein, mager, verdichtet, gedehnt, fett oder sonst wie – alle in separaten Dateien untergebracht. Mit variablen Fonts kann eine gesamte Schriftfamilie mit endloser Variabilität in einer einzigen Datei enthalten sein.

Eine einzige Datei anstatt vieler

Wenn sich die gesamte Schriftvariabilität in einer einzigen Datei befindet, wird die Implementierung von Web Fonts vereinfacht. Eine Datei kann nun dieselbe Aufgabe erfüllen, für die zuvor viele Dateien benötigt wurden. Weil weniger verschiedene Schriftdateien aufgerufen werden müssen und die Dateigrößen kleiner sind, lassen sich Seiten schneller laden. Das sorgt für eine Verbesserung der Kundenerfahrung.

„So lassen sich rasch erhebliche Vorteile realisieren“, meint Brown. „Websites werden schneller und sehen besser aus, weil variable Fonts kleiner sind, aber dieselbe Anzahl an Variationen umfassen. Außerdem wird es weniger HTTP-Anfragen geben, wodurch sich das gesamte Web-Erlebnis flotter anfühlt.“ Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. „Dazu kommen die futuristischen Aspekte – beispielsweise flexible Layouts mit derselben Anpassbarkeit wie variable Fonts. Und wie drücken wir diese Entscheidungen in CSS aus?“

Da das variable Fontformat gemeinsam mit Google, Microsoft, Apple und anderen ins Leben gerufen wurde, geht Adobe von einer weit verbreiteten Unterstützung und Annahme aus. Flexible Schriftformate, die plattformübergreifend konsistent bleiben, bedeuten einen enormen Vorteil für Designer, Entwickler und Kunden.

OpenType Variable Fonts existieren schon heute

Obwohl es schon heute variable Fonts gibt (Skia und San Francisco von Apple sind frühe Beispiele), muss noch mehr getan werden. Designer und Entwickler können mit diesen ersten Schriftarten experimentieren und das neue Format verstehen lernen. Doch wenn sie erst einmal völlig etabliert sind, können variable Fonts zu echten langfristigen Vorteilen in der gesamten Branche führen.

Vor der Übernahme von variablen Fonts durch die breite Masse muss allerdings noch einiges geschehen. Zunächst müssen Unternehmen die Verwendung von variablen Fonts in ihren Produkten unterstützen – und das bedeutet neue Tools zur Unterstützung von Schriftdesignern und Kreativen.

Außerdem benötigen wir Rendering Engines, die diese komplizierten Schriftarten anzeigen können – zum Beispiel in Browsern und Designsoftware. Und zu guter Letzt müssen wir dazu in der Lage sein, Designanweisungen für variable Fonts mit CSS ausdrücken zu können. Da alle Entscheidungen zum Aussehen von Website-Elementen in CSS festgelegt werden, muss CSS dem Browser erklären können, wie die Schriftart sich an verschiedene Formate anpassen muss – so ähnlich wie dynamische Websites Anweisungen übermitteln.

Die Quintessenz: Das Schriftdesign lässt sich mit variablen Fonts in einer Weise anpassen, die mit statischen Schriftarten einfach nicht möglich ist. Von nun an sehen deine Designs für digitale Medien – unabhängig von Typ oder Größe des Geräts – so aus, wie du es beabsichtigt hast, und verhalten sich auf eine Art und Weise, die dem Kunden gefällt.

Um über die neuesten Entwicklungen zum Thema variable Fonts auf dem Laufenden zu bleiben, schau doch mal beim Adobe Typekit Blog vorbei.

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