Die Firmenchronik auf Facebook: Was sie für das Marketing bedeutet?

Let­zte Woche hat Face­book angekündigt, dass zum 30.3. alle Unternehmens­seit­en in dem sozialen Net­zw­erk auf das neue Time­line-For­mat umgestellt wer­den. Was dies für das Mar­ket­ing bedeutet, ist das The­ma mehrerer Beiträge im Blog der Adobe-Tochter Con­text Option­al. Denn — so die Social Mar­ket­ing-Experten — der Wech­sel von der “Pin­nwand” zur “Fir­menchronik” ist mehr als nur eine Verän­derung des Designs.

Con­text Option­al hat seine Face­book-Seite schon auf die Fir­menchronik umgestellt. Es bleibt aber noch Zeit bis zum 30.3.

Man muss die gesamte Seite kün­ftig als Kam­pagne ver­ste­hen”, schreibt Lawrence Mak, Social Prod­uct Mar­ket­ing Man­ag­er bei Adobe in seinem Blog­beitrag. Dazu ist es notwendig, sich mit den Änderun­gen im Detail auseinan­derzuset­zen und die entsprechen­den Schluß­fol­gerun­gen zu ziehen. Und das wird sich konkret verän­dern:

1. Das neue Lay­out der Chronik ist von der visuellen Seite deut­lich inter­es­san­ter als das bish­erige Sei­t­en­de­sign und bietet erhe­blich mehr Raum für das Brand­ing: Mit dem großen Cov­er-Foto im For­mat 852 x 315 Pix­el, den nor­malen Fotos für Post­ings (404 x 404 Pix­el) im zweis­palti­gen Lay­out und den her­vorge­hobe­nen “Meilen­steinen” in der einspalti­gen Chronik im For­mat 843 x 403 Pix­el. Damit kann man beim Sto­ry­telling gut spie­len und z.B. das Titel­bild im Rah­men von Kam­pag­nen häu­figer aus­tauschen.

2. Denn die bish­erige “Land­ing-Page” für “Noch-Nicht-Fans” ent­fällt kom­plett. Es gibt keine Möglichkeit mehr, darüber Inter­essen­ten auf den Mehrw­ert der Seite hinzuweisen oder dort Rabat­te anzu­bi­eten, Gewinn­spiele zu ver­anstal­ten u.ä. Die Fir­menchronik selb­st muss in Zukun­ft Inter­essen­ten auf den ersten Blick so überzeu­gen, dass sie “Gefällt mir” klick­en. Ein direk­tes Ansprin­gen von Reit­ern / Tabs ist kün­ftig nur mehr über bezahlte Wer­beanzeigen möglich.

3. Unter dem Cov­er-Foto sind jet­zt die Box­en mit den App­lika­tio­nen zu sehen und wer­den durch ein rechteck­iges Bild im For­mat 111 x 74 Pix­el deut­lich sicht­bar­er als früher. Allerd­ings sind nur 4 dieser ins­ge­samt 16 App-Plätze ohne Aufk­lap­pen des Menüs zu sehen. Sie kön­nen — mit Aus­nahme der App “Fotos” frei gewählt wer­den. Es ist also nicht unwichtige, welche drei weit­eren Anwen­dun­gen man in die erste Rei­he platziert — z.B. Videos, Zahl der Fans, ein Gewinn­spiel … In Deutsch­land wird man aber wohl einen der Plätze für das Impres­sum reservieren müssen, dass ja laut Gericht­sentschei­dung mit einem Klick erre­ich­bar sein muss.

4. Eine wesentliche Verän­derung der neuen Fir­menchronik beste­ht darin, dass Beiträge von Fans nicht mehr ein­fach auf der Pin­nwand zu sehen sein wer­den. Son­dern sie wer­den in einem Kas­ten auf der recht­en Seite aggregiert und sind so kaum noch wahrnehm­bar. Das ver­hin­dert zwar, dass eine Seite im Laufe eines “Shit­storms” von unan­genehmen Post­ings überflutet wird. Aber auch pos­i­tive Beiträge von Kun­den gehen unter. Sie kön­nen allerd­ings gezielt in die Time­line geholt und so her­vorge­hoben wer­den.

5. Dem Schutz vor Angrif­f­en dient auch die neue Möglichkeit, Kom­mentare vor der Veröf­fentlichung erst in eine Freiga­be-Warteschleife zu schick­en. Diese Mod­er­a­tion ist allerd­ings per­son­ell recht aufwändig, da die Kom­men­tarschreiber eine rasche Sicht­barkeit ihrer Mei­n­ungsäußerung erwarten. Entwed­er muss man den Freiga­be­prozess entsprechend organ­isieren oder man schal­tet dieses Fea­ture für den Nor­mal­be­trieb ab. Im Falle eines anziehen­den “Shit­storms” lässt es sich kurzfristig aktivieren.

6. Eine neue Möglichkeit für alle, die Face­book als Kun­denser­vice-Kanal nutzen und dabei nicht alle Prob­leme vor allen Fans aus­bre­it­en wollen, ist der Ver­sand von Nachricht­en an den Seit­en­be­treiber. So kann man sich schnell um die Lösung von ange­sproch­enen Fra­gen küm­mern. Allerd­ings nur, wenn die Prozesse im Unternehmen entsprechend organ­isiert sind.

7. Die Inter­ak­tio­nen von Fre­un­den eines Besuch­ers mit der Seite wer­den kün­ftig in einem Kas­ten auf der recht­en Seite beson­ders her­vorge­hoben. Dort sind zum Einen die Köpfe einiger Fre­unde zu sehen. Es wird aber auch eine (nach dem Zufall­sprinzip aus­ge­suchte) Inter­ak­tion eines Fre­un­des aus der Ver­gan­gen­heit speziell angezeigt. Damit soll ins­beson­dere für neue Besuch­er die Rel­e­vanz dieser Seite unter­strichen wer­den.

8. Schließlich gehören noch jede Menge Verbesserun­gen bei den Tools für die Com­mu­ni­ty-Man­ag­er zu den Verän­derun­gen. Neben einem schnelleren Überblick über Anfra­gen, neue Fans oder die Sta­tis­tik (die in Zukun­ft in Echtzeit zur Ver­fü­gung ste­hen soll), zählt dazu auch die Möglichkeit von zeit­ver­set­zten Post­ings in der Zukun­ft. Man braucht also kün­ftig im Nor­mal­fall keinen rund um die Uhr arbei­t­en­den Com­mu­ni­ty Man­ag­er, son­dern kann die Post­ings automa­tisch zu gün­sti­gen Zeit­punk­ten durch­führen lassen. Und ein beson­ders wichtiges Post­ing kann in Zukun­ft an die Spitze der Time­line “gepin­nt” wer­den und bleibt in dieser Posi­tion für 7 Tage ste­hen, auch wenn weit­ere Beiträge fol­gen.

All diese neuen Fea­tures kön­nen alle einzeln genutzt wer­den, um die Reich­weite, das Erzählen von Geschicht­en und das Engage­ment der Fans zu steigern”, ist Lawrence Mak überzeugt. “Aber erst ihre Kom­bi­na­tion ver­wan­delt die bish­erige sta­tis­che Face­book-Seite in eine dynamis­che Kam­pagne”. Im näch­sten Schritt komme es für die Mar­ket­ingver­ant­wortlichen darauf an, sich in einem Brain­storm­ing mit ihrem Social Media-Team auf die neue Sit­u­a­tion einzustellen und neue Ideen für das Face­book-Mar­ket­ing auf dieser Basis zu entwick­eln. Con­text Option­al als neuer Bere­ich von Adobe — so Mak — habe bere­its begonnen, seine Social Media-Man­age­ment-Plat­tform entsprechend anzu­passen.

Auch in Deutsch­land wird in den Blogs heftig über die Umstel­lung auf die Face­book-Fir­menchronik disku­tiert. Während die einen — die überwiegende Mehrzahl — die neuen Möglichkeit­en als Chance für das Mar­ket­ing begreifen, kri­tisieren andere die Abkehr vom Gedanken des “Social Net­work”. Hier eine kleine Auswahl:

PR-Kloster: Face­book Time­line für Seit­en: Keine Panik

PR-Blog­ger: Dig­i­tale Marken­führung in der Face­book Chronik

PR-Kloster: Fir­menchronik auf Face­book: Jet­zt ein­richt­en für 888 Euro

Markus Hüb­n­er: Der Anfang vom Ende für Face­book

Hal­tungstur­nen: Erste Gedanken zur Chronik für Marken auf Face­book

Per­sonal­mar­ket­ing Blog: Face­book Chronik – Neue Chance

edRela­tions: Face­book neu: Die Time­line aus PR-Sicht

In Sachen Kom­mu­nika­tion: Timeline/Chronik für Face­book-Seit­en ab 30.März 2012 – jet­zt vor­bere­it­en oder gle­ich freis­chal­ten

Indiskre­tion Ehren­sache: Neues Face­book-Design Time­line auch für Unternehmens-Pages

Patrick Bre­it­en­bach: Face­book Time­line für (Marken)Pages: “Ganz ruhig, Brauner”

talk­a­bout: DIE NEUEN FUNKTIONEN BEI FACEBOOK SIND EIN ECHTER GAMECHANGER – ZUMINDEST FÜR DIE UNTERNEHMEN

allfacebook.de: Ein­führung und Überblick: Die Face­book Time­line für Unternehmen (aká die neuen Pages)

3 Kommentare zu Die Firmenchronik auf Facebook: Was sie für das Marketing bedeutet?

  1. Pingback: Die Firmenchronik auf Facebook: Was sie für das Marketing ... | Campaigning | Scoop.it

  2. Nora Kuhn sagt:

    Dass die neue Time­line kom­men wird, wis­sen wir inzwis­chen sich­er. Ihr Blog­beitrag ist eine sehr gute Zusam­men­fas­sung für alle Seit­en­be­treiber, die sich vor dem 30. März einen Überblick über die Änderun­gen ver­schaf­fen möcht­en.

  3. Pingback: Linkliste Social Media Studien von PR-Agentur Fink & Fuchs | blog.FFPR.de

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *