2017 – 2047 Die Zukunft der Arbeit beginnt JETZT

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Was ist eigentlich Arbeit – und wie wollen wir sie in Zukunft gestalten? Früh am Morgen des 27. Juni schien es darauf zunächst so viele Antworten wie Teilnehmer zu geben. Würde das Experiment überhaupt gelingen? Schließlich hatten sich die sieben Experten im Loft der Berliner Fabrik 23 mit dem Ziel versammelt, gemeinsam die Vision einer wünschenswerten Zukunft der Arbeit zu entwerfen und den Weg dahin zu skizzieren. Gerade, weil das Thema so facettenreich ist, hatten wir zum Adobe Think Tank bewusst Menschen mit so unterschiedlichem Background wie die Leadership-Expertin Heike Bruch, den Robotik-Spezialisten Rainer Bischoff oder den Gesellschaftswissenschaftler Ole Wintermann eingeladen. Denn wir wollten das Thema Future of Work ja aus drei verschiedenen Perspektiven – People, Machines, Experiences – möglichst umfassend beleuchten. Zunächst schien es fraglich, auf welcher Basis ein Organisationsforscher wie Ayad Al-Ani und ein Marketing-Manager wie Lars Trieloff, eine HR-Spezialistin wie Nanne von Hahn und ein Digitalexperte wie Matthias Schrader überhaupt miteinander ins Gespräch kommen sollten.

Doch schon binnen weniger Minuten entstand eine lebhafte Diskussion und es zeigte sich, dass das Thema Arbeit eben auch ein sehr persönliches ist. Das betonte auch Ole Wintermann von der Bertelsmann-Stiftung in der späteren Panel-Diskussion: „Das Thema berührt gerade uns Deutsche emotional, weil wir uns stark über unsere Arbeit definieren. Von klein auf begleitet uns die Frage ‚Was willst du mal werden?‘, wir machen uns lange Gedanken, stellen dann vielleicht fest, dass wir doch auf dem falschen Weg sind. Und jetzt stellt die Digitalisierung vieles infrage, existiert der Beruf, für den wir uns entschieden haben, möglicherweise vielleicht bald gar nicht mehr?“

Reichlich Raum für Emotionen bot das Brainstorming zu Beginn des morgendlichen Think Tank-Workshops. Moderator Lars Gaede hatte sich für die so genannte Backcasting-Methode entschieden, eine Kreativ-Technik, bei der die Teilnehmer zunächst ihre Wünsche an eine ideale Zukunft der Arbeit zusammentragen. Unterstützt von zwei Graphic Recording-Künstlerinnen entwarfen die Teilnehmer in überraschend kurzer Zeit ein visionäres Gesamtbild für das Jahr 2047. Demnach sollte eine wünschenswerte Zukunft der Arbeit von Werten wie Sinn und Selbstbestimmung, Transparenz, Toleranz und Vertrauen geprägt sein. In einer idealen Arbeitswelt erleichtern uns Roboter die Arbeit und wir haben mehr Zeit für gesellschaftliche Aufgaben, Kultur spielt eine große Rolle, wir lernen lebenslang, sind digital kompetent und bewegen uns in einem frei gewählten Umfeld, es gibt keine Grenzen für Teamwork und keinerlei Ausgrenzung, aber einen Platz und ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden.

Im zweiten Teil des Workshops ging es darum, in einer fiktiven Zeitreise „Back to the Future“ den Weg in diese ideale Zukunft zu gestalten. Die Teilnehmer waren aufgerufen, die notwendigen Schritte und Maßnahmen zu skizzieren, die die Gesellschaft, die Unternehmen aber auch jeder einzelne von uns leisten müsste, um die gemeinsame Vision einer idealen Zukunft bis 2047 zu realisieren. Angesichts der aktuellen Diskussion um mögliche massive Jobverluste ging es zunächst auch darum, was Technik eigentlich wirklich leisten kann. Rainer Bischoff, Leiter der Konzernforschung beim Roboter-Hersteller Kuka, warnte davor, die technologische Entwicklung zu überschätzen. Es sei nicht absehbar, dass Roboter den Menschen ersetzen könnten. Um Ängsten entgegen zu treten und Pessimismus zu vermeiden sei mehr Aufklärung über die wirklichen Potenziale und Fähigkeiten von Technologien vonnöten. Gleichzeitig solle ein internationaler Ethik-Kodex in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen regeln. Insgesamt war man sich einig, dass wir die digitalen Kompetenzen der Menschen stärken müssen, um in Zukunft einen ‚digitalen Darwinismus‘ zu vermeiden.

Der notwendige Umbau des Bildungssystems war ein weiterer Punkt, der ausführlich diskutiert wurde. Gefordert wurde letztlich ein neues Bildungsideal, das das „Lernen lernen“ in den Mittelpunkt stellt, damit sich die Menschen in Zukunft selbstständig die notwendigen Skills für eine sich schnell verändernde Arbeitswelt aneignen können. Bildung müsse als „open source“ für alle verfügbar gemacht werden. Die Menschen müssten eine neue „Hacker-Mentalität“ entwickeln und stärker nach dem Trial & Error Prinzip handeln, forderte Adobe-Manager Lars Trieloff. Insgesamt waren sich die Experten weitgehend einig, dass Deutschland mehr Startup-Spirit entwickeln und offener für Veränderungen werden müsse. Professor Ayad Al-Ani, vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, will aber auch den Staat in die Pflicht nehmen, er dürfe das Feld nicht allein den Unternehmen überlassen und könnte regulierend eingreifen, zum Beispiel durch die Förderung einer genossenschaftlich organisierten Plattform-Ökonomie.

In der dritten Phase des Think Tank-Workshops ging es darum, Maßnahmen zu konkretisieren und auf dem Zeitstrahl von heute bis 2047 sinnvoll anzuordnen. Dabei entstand schnell ein überraschendes Bild: Nach übereinstimmender Ansicht unserer Experten dürfen wir keine Zeit verlieren. Es müssten eigentlich so gut wie alle Schritte, die uns einer idealen Zukunft der Arbeit näherbringen, sofort erfolgen. Die deutlichste Botschaft des Adobe Think Tank lautet deshalb:

Die Zukunft der Arbeit beginnt JETZT!


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Posted on 06-30-2017


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