Bitkom Doppelinterview: Die digitale Arbeitswelt – Wo stehen wir heute?

Adobe Acrobat DCAdobe Sign

Die digitale Transformation sprintet mit Höchstgeschwindigkeit in die Arbeitswelt. Cloudspeicher, elektronische Signaturen und Co. bieten ein hohes Potenzial zur Effizienzsteigerung der Unternehmensprozesse. Die aktuelle Bitkom-Studie Digital Office Index erfragt die Hintergründe: Wie weit ist der Wandel inzwischen fortgeschritten, in welchen Bereichen besteht Handlungsbedarf und wie stehen Arbeiter innovativen Tools gegenüber? Adobe und Bitkom arbeiten kontinuierlich eng zusammen und schätzen diese wichtige Kooperation. In einem Doppelinterview haben wir mit Nils Britze, Referent Digitale Geschäftsprozesse Bitkom, und Rebekka Weiß, Bereichsleiterin Datenschutz & Verbraucherrecht Bitkom, über den Stand der digitalen Arbeitswelt gesprochen. Gibt es einen Etappensieg?

 

Adobe Document Cloud: Die jüngste Bitkom-Studie zeigt, dass 88 Prozent der Manager dem Wandel offen gegenüber stehen. Wie jedoch reduzieren Führungskräfte die Bedenken auf Mitarbeiterseite?

Nils Britze: Bei Veränderungsprozessen innerhalb von Unternehmen müssen Mitarbeiter natürlich mitgenommen werden. Hier ist ein Change-Management gefragt, das Unsicherheit reduziert und damit Mitarbeiter in den Wandel integriert. Besonders die Digitalisierung von Büro- und Verwaltungsprozessen bietet viele Potenziale, damit sich Mitarbeiter auf Kernaufgaben konzentrieren können und von lästigen Routinetätigkeiten befreit werden. Darüber hinaus ist es natürlich notwendig, dass Mitarbeiter mit notwendigen Kompetenzen ausgestattet werden. Der Bitkom Digital Office Index 2018 zeigt, dass nur knapp mehr als die Hälfte (57 %) der Unternehmen gezielt in Weiterbildungsmaßnahmen investieren, die heutzutage allerdings notwendig für die digitale Arbeitswelt sind.

 

Adobe Document Cloud: Ein Schritt in die digitale Zukunft ist die elektronische Signatur, mit der Arbeitsabläufe vereinfacht werden. Ist es dann nicht paradox, dass Unternehmen die Digitalisierung aufgrund von Zeitmangel vernachlässigen, obwohl man gerade durch neue Technologien Zeit gewinnt?

Nils Britze: In der Unternehmenspraxis besteht häufig ein Konflikt zwischen kurz- und langfristigen Zielen. Ein „weiter so“ ist kurzfristig vielleicht manchmal sogar schneller oder einfacher, weil durch neue Technologien auch bestehende Geschäftsprozesse hinterfragt werden und an eine neue technologische Infrastrukturen angepasst werden müssen. Insgesamt lässt sich allerdings sagen, dass das Thema „Digitalisierung“ in den deutschen Unternehmen angekommen ist und diese mittlerweile sensibilisiert sind. Bei der Umsetzung von Digitalisierungsstrategien und dem Einsatz von digitalen Lösungen gibt es – vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) – aber natürlich noch Luft nach oben.

 

Adobe Document Cloud: Die elektronische Signatur wird insbesondere in Deutschland nur sehr zögerlich eingeführt. Welche Gründe sehen Sie, dass sich die elektronische Signatur in der freien Wirtschaft noch nicht flächendeckend eingesetzt wird? Die Technologie dafür steht ja seit Jahren bereit.

Nils Britze: Der Einsatz von Signaturlösungen wurde in diesem Jahr zum ersten Mal im Rahmen des Bitkom Digital Office Index erhoben. Demnach setzen 13 Prozent der befragten Unternehmen digitale Signaturlösungen, z. B. zur Vertrags- und Auftragsabwicklung, ein und weitere 8 Prozent planen einen entsprechenden Einsatz. Hier besteht sicherlich ebenfalls noch großes Wachstumspotenzial. Wenn wir den Einsatz von digitalen Lösungen in deutschen Unternehmen zwischen 2016 und 2018 grundsätzlich vergleichen, fällt auf, dass sich der Wandel in vielen Bereichen eher schrittweise vollzieht und weniger disruptiv. Neuen Schwung beim Einsatz der elektronischen Signatur in Deutschland könnte es im Nachgang an die eIDAS-Verordnung geben, die seit zwei Jahren einen EU-Standard für das Signieren und Siegeln elektronischer Dokumente bereitstellt. Mit eIDAS wurde die Basis für eine europaweite, rechtsgültige elektronische Kommunikation und sichere elektronische Identifizierung geschaffen. Hiermit können Unternehmen aber auch Verwaltungen und Privatpersonen digitale Dokumente wie Angebote, Bestellungen, Verträge u.v.m. innerhalb der Europäischen Union auf einer einheitlichen Rechtsbasis austauschen. Diese Chancen gilt es nun zu nutzen.

 

Adobe Document Cloud: Die elektronische Signatur ist eine von vielen Möglichkeiten die Digitalisierung gewinnbringend einzusetzen. In welchen Bereichen sehen Sie besonders großen Handlungsbedarf in deutschen Unternehmen?

Rebekka Weiß: Der Bitkom Digital Office Index 2018 zeigt, dass es vorangeht mit der Digitalisierung von Büro- und Verwaltungsprozessen in deutschen Unternehmen. Der Indexwert ist von 50 Punkten im Jahr 2016 auf einen Wert von 54 Punkten gestiegen. Allerdings hat sich die Schere zwischen großen und kleinen Unternehmen weiter geöffnet. Mittlerweile sind große Unternehmen schon recht weit und gut aufgestellt, allerdings gilt es natürlich auch für KMU von den Vorteilen von digitalen Prozessen zu profitieren. Ein Unterschied besteht auch mit Blick auf die Branchen: Die wissensintensiven, wie Versicherungen, Banken und Finanzdienstleister sind recht gut aufgestellt, Handlungsbedarf besteht allerdings z. B. bei klassischen Industrien, Transport und Logistik. Die Studie zeigt allerdings auch, dass Unternehmen branchenübergreifend hohe Investitionsabsichten haben und damit Fortschritte in den kommenden Jahren zu erwarten sind.

 

Adobe Document Cloud: Wo sehen Sie den Nutzen von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung in den neuen Arbeitswelten?

Rebekka Weiß: Die konkreten Einsatzgebiete von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung im Umfeld von Büro- und Verwaltungsprozessen entwickeln sich momentan erst. In unserer gerade erschienenen Bitkom Publikation „Digital Office Trend-Check 2018“[1] geht es genau um diese Effekte und Auswirkungen neuer technologischer Entwicklungen auf das digitale Büro. Potenziale der Künstlichen Intelligenz lassen sich zum Beispiel bei der intelligenten Verarbeitung von unstrukturierten Daten aufzeigen. Ein Beispiel dafür sind Papierrechnungen, die wenn sie intelligent aufbereitet sind, in den digitalen Workflow eines Unternehmens automatisch eingebunden werden können. Grundsätzlich erwarten die Autoren der Studie, dass Künstliche Intelligenz und Automatisierung den Anwender bei seiner Arbeit unterstützen, die dadurch produktiver und schneller wird und Wissensarbeiter von Routineaufgaben befreit.

 

Adobe Document Cloud: Es hat sich aber auch über die Jahre bewährt nicht auf jede Idee kritiklos aufzuspringen. Deutschland wird oft dafür kritisiert Digitalisierungsprojekte zu oft zu hinterfragen. Sehen Sie dies auch als Wettbewerbsvorteil für Deutschland immer etwas genauer hinzusehen, gerade wenn man das Thema Security mit einbezieht?

Nils Britze: Digitalisierung wird häufig mit Datenschutz und Datensicherheit verbunden. Beides spielt in Deutschland traditionell eine große Rolle. Mit der Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO) haben wir nun ein europaweit größtenteils einheitliches Datenschutzniveau eingeführt, was es den Unternehmen erleichtern kann, digitale Geschäftsideen und Digitalisierungsprozesse voranzubringen. Diese neue Chance muss nun unbedingt auch genutzt werden. Hierfür müssen aber noch Rechtsunsicherheiten beseitigt werden. Insgesamt bedarf es klarer Rahmenbedingungen, auch gesetzlicher Art, um Digitalisierung voranzubringen. Das gilt in Deutschland und Europa gleichermaßen. Datensicherheit wird auch zukünftig bei allen Digitalisierungsstrategien eine große Rolle spielen. Das zeigt sich auch in den Ergebnissen des Bitkom Digital Office Index 2018. Die Sorge vor dem Zugriff auf sensible Unternehmensdaten und Datenverlust ist hoch und wird von Unternehmen zu den bedeutendsten Hemmnissen mit Blick auf den digitalen Fortschritt gezählt. Das Vertrauen in deutsche und europäische Anbieter ist aber insgesamt hoch und in der Nutzerwahrnehmung durch die DS-GVO auch erneut gestärkt worden. Dies kann durchaus einen Standortvorteil bedeuten.

[1] https://www.bitkom.org/noindex/Publikationen/2018/Leitfaeden/Digital-Office/180609-LF-Digital-Office-Trend-2018-Web.pdfb>s


Adobe Acrobat DC, Adobe Sign

Posted on 07-26-2018


Join the discussion