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Barrierefreie PDF Dokumente – Was steckt dahinter? Teil 1 (von 3)

Die Mehrwerte barrierefreier PDF-Dokumente:
Adobe Acrobat Pro, FrameMaker und Adobe Creative Cloud Produkte wie Indesign CC unterstützen ebenso wie zahlreiche andere Tools die Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente. Das Ziel, Inhalte für alle zugänglich zu machen, setzt eine maschinenlesbare Datenstruktur voraus, welche Zusatznutzen für weitere Anwendungsmöglichkeiten liefert.

Diese Artikelserie liefert Hintergrundinformationen und praktische Tipps zum Umgang mit heute verfügbaren Werkzeugen.

Warum dieser Blogbeitrag?
Mit steigender Nutzung digitaler Inhalte über das Internet wächst die berechtigte Forderung nach Teilhabe aller Menschen an der Informationsgesellschaft. Unter dem Oberbegriff der Inklusion und vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft wird heute zu Recht der Anspruch formuliert, niemanden aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen von Kommunikationsprozessen auszuschließen. Daher wird heute – durch gesetzliche Rahmenbedingungen gefördert – als Ergänzung zur Lieferung druckoptimierter PDF/X-Daten häufig die Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente für die elektronische Veröffentlichung gefordert.

Vorliegender erster Teil erläutert als Auftakt zur Serie zunächst die Hintergründe, warum zunehmend eine barrierefreie Aufbereitung von Inhalten verlangt wird, und welche Mehrwerte damit erzielt werden können. In der Fortsetzung beleuchten wir die zugrundeliegenden Prinzipien, bevor wir uns im dritten und letzten Teil mit den konkreten Methoden zur Erstellung und Prüfung barrierefreier PDF-Dokumente mit Adobe Acrobat DC Pro befassen.

Vom Druckvorlagenstandard zum Digital Content Container
Barrierefreiheit braucht genauso wie Medienneutrale Datenhaltung Sensibilisierung am Beginn der Datenerfassung in Redaktionen, Marketingabteilungen oder Agenturen. Eine frühe Berücksichtigung der Anforderungen an Minimalstrukturen – wie beispielsweise die Erstellung von Dokumenten auf Basis von Templates – sichert nicht nur Effizienz im Design- und Publikationsprozess, sondern reduziert auch drastisch die Kosten für eine spätere Aufbereitung zu barrierefreien Dokumente.

Diese Artikelserie soll mehr Sicherheit im Kommunikationsprozess zwischen Auftraggeber und Dienstleister schaffen, um die Herausforderungen auf dem Weg vom klassischen Druckvorlagenhersteller zum „Digital Content Manager“ bewältigen zu können. Nicht jeder Hersteller von Print- und Onlinemedien muss zum Experten für Barrierefreiheit werden. Zunehmend jedoch benötigen Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen Unterstützung bei der Prozessgestaltung im Kundendialog. Das betrifft nahezu alle Anwendungsbereiche in Unternehmen und Organisationen: Interne Dokumente (Protokolle, Reports) genauso wie B2B-Kommunikation (Rechnungen, Bestellungen, Verträge) oder B2C-Kommunikation (Marketingunterlagen, Jahresberichte).

Klassische Erfolgsfaktoren PDF

Folgende Aspekte bilden die Erfolgsfaktoren und sind somit der Grund für die weltweite Verbreitung von PDF-Dokumenten im Web – speziell bei Inhalten aus Printprozessen:

  • Sicherstellung der Layouttreue unabhängig von Endgeräten, Plattform oder Software
  • Zusammenführung von Content aus unterschiedlichsten Quellen unter Beibehaltung der Integrität der Originalquellen
  • Erweiterbares Modell für Metadaten-Indexierung
  • Kollaborativer Ansatz durch Möglichkeit zur standort- und plattformunabhängigen Bearbeitung
  • Berechtigungsmodell
  • Unterstützung von Barrierefreiheit (Tag-Modell)
  • Extraktion und Wiederverwendbarkeit von Inhalten

Warum barrierefreie PDF?
Hauptursache für die Unsicherheit im Umgang mit Barrierefreiheit sind dabei nicht nur die technischen Hürden, sondern immer wieder auch die Unsicherheit hinsichtlich internationaler Standards für barrierefreie PDF-Dokumente. Wesentlicher Treiber für barrierefreie PDF sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen. In Deutschland ist das vorrangig die BITV (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung), welche in ihrer aktuellen Ausprägung 2.0 einen wohldefinierten normativen Rahmen für die Barrierefreiheit von elektronischen Inhalten bietet. Seit 2012 sind die technischen Spezifikationen von PDF-Dokumenten für Barrierefreiheit im ISO-Standard PDF/UA-1 (akt. ISO 14289-1:2014) normiert. Die ISO-Norm hat nationale Gültigkeit, da sie seit Juli 2013 namensgleich auch beim DIN in einer deutschen Übersetzung vorliegt Internationaler Vorreiter war hier wie so oft die US-Amerikanische Regierung, welche im Abschnitt 508 ihres Rehabilitationsgesetzes bereits 1998 die gesetzlichen Rahmenbedingungen für barrierefreie Informationstechnik im Beschaffungswesen der Öffentlichen Hand verbindlich vorschrieb.

„UA“ für „Universal Accessibility“ (universelle Barrierefreiheit) hat den Anspruch, erstmalig einen verbindlichen technischen Standard zur Erstellung, Verarbeitung und Prüfung barrierefreier PDF-Dokumente zu definieren. PDF/UA orientiert sich an den Anforderungskriterien der BITV und ist somit als spezifische Ergänzung bzw. als „BITV-Auslegungsrichtlinie“ für PDF-Dokumente zu verstehen. Die Auslegung des Standards wird in einer Richtlinie ausgeführt, dem sogenannten „Matterhorn-Protokoll“. Dieser „Kriterienkatalog für barrierefreie PDF-Dokumente“ beschreibt die konkreten technischen Anforderungen an PDF-Dokumente, welche in ihrer Summe sicherstellen, dass alle (relevanten) Dokumentinhalte stets für den maschinellen Zugriff durch unterstützende Anwendungen wie Screenreader zugänglich sind.

Wesentliche Grundlage der Aufbereitung ist Auszeichnung sämtlicher Dokumentinhalte hinsichtlich ihrer strukturellen Bedeutung. Ähnlich zu HTML werden Überschriftsebenen, Listen- oder Tabellenelemente mit sogenannten Tags versehen, um eine korrekte Weiterverarbeitung durch assistive Technologien sicherzustellen. Ebenso müssen Abbildungen und Grafiken mit Alternativtexten hinterlegt, sowie rein ornamentale Elemente wie z.B. technische Raster als „nicht sinntragend“ klassifiziert sein. Die folgenden Beiträge dieser Serie geben eine Einführung in deren Anwendung sowie einen Einblick in die führenden Werkzeuge zu deren Erstellung und Prüfung.

Derart aufbereitete PDFs können schon seit geraumer Zeit mit den integrierten Stimmen im kostenlosen Adobe Reader oder Acrobat vorgelesen werden. Auch wenn hier die professionellen Navigationsmöglichkeiten fehlen, auf welche blinde und sehbehinderte Anwender angewiesen sind, kann der Benutzer, welcher die Anschaffung teurer Text-to-speech Software wie z.B. JAWS scheut, einen ersten Eindruck über Vollständigkeit und Korrektheit des Taggings gewinnen (z.B. von Abbildungen). Darüber hinaus sichert eine solche Dokumentstruktur nicht nur den barrierefreien Zugang für Assistive Technologien, sondern garantiert gleichzeitig die maschinelle Zugänglichkeit zu Inhalten für Suchmaschinen. PDF/UA-Dokumente enthalten ein Mindestset an Metadaten und semantischen Tagstrukturen welche eine deutlich relevantere Indexierung der Inhalte und somit ein messbar besseres Ranking in Trefferlisten führender Suchmaschinen zur Folge haben. PDF/UA-Standard bedeutet also neben dem Compliance-Aspekt gleichzeitig optimiertes Online-Marketing durch SEO!

Fazit

Auch Inhalte aus print-getriebenen Projekten können also bei einer strengen Orientierung am PDF/UA-Standard fit gemacht werden für die Erfordernisse des „Digital Publishing. Dank standardisierter Prozesse zur Erstellung und Prüfung von PDF/UA-Dokumenten können aufwändige Doppelerfassungen oder Nachbearbeitung von Dokumenten überflüssig gemacht werden. Mögliche Zusatznutzen dabei sind:

  • Erweiterung der Zielgruppen durch barrierefreie Aufbereitung
  • Vorhersagbare Produktionsbedingungen und Preise
  • Wiederverwendbarkeit der Inhalte für medienübergreifende Formate
    (Online-Formate, E-Books))

Die folgenden Blogbeiträge dieser Artikelreihe beschäftigen sich mit den dazu erforderlichen Methoden und hilfreichen Werkzeugen. Stay tuned …

Adobe Acrobat DC, Insights

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