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October 17, 2017 /Adobe Sign /

Macht der Gewohnheit: Kein gültiger Vertrag ohne Unterschrift – oder geht’s auch ohne?

Es ist so eine Sache mit liebgewonnenen Gewohnheiten: Einmal einstudiert, fällt das Loslassen schwer. Unsere Unterschrift ist so ein Fall. Obwohl wir bei der Vertragsgestaltung frei in der Wahl der Form sind, gilt ein Schriftstück erst dann als formvollendet, wenn wir unseren Friedrich-Wilhelm darunter gesetzt haben. Doch wann bedarf es wirklich einer Unterschrift – und wann können wir darauf verzichten?

Als sich mein Kollege Gregor Kolk kürzlich mit dem Stand der Dinge bei der elektronischen Signatur beschäftigte, habe ich mich zunächst einmal über den stetigen Fortschritt gefreut, den wir beim Ausbau und bei der Akzeptanz der elektronischen Unterschrift in den letzten Jahren erzielt haben. Als Branchen-Insider befinden wir uns mitten im Geschehen und verlieren manchmal den Blick für das große Ganze. Aus der Vogelperspektive betrachtet, hat sich trotz vieler technischer und rechtlicher Herausforderungen, die uns rund um die Uhr auf Trab halten, einiges getan – es geht voran mit der elektronischen Signatur.

Doch nach einem kurzen Anflug von Euphorie ertappte ich mich bei einem zweiten Gedankengang zum Thema Unterschrift im Allgemeinen: Wozu setzen wir überhaupt noch unseren Friedrich-Wilhelm unter Verträge in einer zunehmend digitalisierten Welt? Bankgeschäfte führe ich mit PIN und TAN durch. Online-Einkäufe schließe ich mit einem Klick auf „Jetzt bestellen“ ab. Allgemeine Geschäftsbedingungen akzeptieren ich, indem ich ein Häkchen in das dafür vorgesehene Kästchen setze – und selbst an meinem Arbeitsplatz reicht ein Klick auf „Approved“ oder gar eine formlose E-Mail, um Anträge zu genehmigen oder Geschäftsvorgänge zu bestätigen.

Unsere Unterschrift, unser letztes bisschen Persönlichkeit

Ich frage mich also: Handelt es sich bei unserer Unterschrift lediglich um eine liebgewonnene Gewohnheit? Inszenieren wir das Unterzeichnen von Verträgen als Folklore, auf die wir längst verzichten könnten? Die Geschichte der Unterschrift ist uralt und reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Siegel, die als Vorläufer unserer heutigen Unterschrift gelten, kennen wir spätestens seit dem Alten Ägypten. Historiker gehen davon aus, dass die ersten Siegelformen sogar schon im vierten Jahrtausend vor Christus verwendet wurden. Die Historie des Unterzeichnens und Besiegelns ist lang und umfangreich, entsprechend tief ist dieser Vorgang in unserem Bewusstsein und in unserem Handeln verankert.

Heute „besiegeln“ wir mit unserer Unterschrift beinahe täglich die Gültigkeit von Rechtsgeschäften. Gleichzeitig gilt unsere Unterschrift als etwas sehr Persönliches. Die Unterschrift, so formulierte es die SPIEGEL-Autorin Anne Haeming, sei in vielen Bereichen ein Statussymbol – und das in Zeiten, in denen kaum noch einer mit der Hand schreibe. Noch weiter geht Schreibcoach Susanne Dorendorff, die in unserer Unterschrift das letzte bisschen Persönlichkeit in einer digitalisierten Welt sieht. Für das Manager Magazin analysierte sie die Unterschrift namhafter Unternehmenslenker und lieferte erstaunliche Einblicke in deren Persönlichkeit. Die Unterschrift als Abdruck meines Ichs, den ich am Ende eines Pamphlets mit Stolz und Würde hinterlasse.

Die Unterschrift als taktisches Manöver in der Business-Welt

Es ist die Macht der über viele Jahrtausende hinweg eingeübten Gewohnheit, die uns ein Schnippchen schlägt. Wann also ergibt eine Unterschrift tatsächlich Sinn – und wann können wir getrost auf sie verzichten? Ganz allgemein gesprochen, bedarf ein wirksamer Vertrag nicht zwingend der Unterschrift der Vertragspartner. Sind sich die Vertragsparteien über den Vertragsinhalt einig, kann der wirksame Abschluss ganz schnell und unkompliziert vonstatten gehen. Der morgendliche Zeitungskauf am Kiosk ist so ein Beispiel, bei dem ich als Kunde einen abgezählten Geldbetrag dem Verkäufer in die Hand drücke und mir ein Exemplar vom Stapel nehme. Hier bedarf es nicht einmal des Wortwechsels, geschweige denn meiner Unterschrift – und dennoch ist ein wirksamer Vertrag zustande gekommen.

Mit diesem zugegebenermaßen trivialen Beispiel lässt sich veranschaulichen, worum es bei der Frage, ob mit oder ohne Unterschrift, letztlich geht: um Augenmaß. Bei komplexen Verträgen im Geschäftsleben empfiehlt sich allein schon zum Schutz der Vertragsparteien vor voreiligen Entscheidungen eine Signatur. Die Annahme: Wer persönlich unterzeichnet, ob mit Tinte oder digital, denkt mindestens zweimal über den Inhalt und die Auswirkungen einer Vereinbarung nach und trifft keine hastigen Entscheidungen. Unterschriften haben also weiterhin durchaus ihre Berechtigung. Soll ein Vertrag wohlüberlegt und verbindlich geschlossen werden, ist die Unterschrift, ob elektronisch oder mit Tinte, die richtige Wahl des Abschlusses. Erst die elektronische Variante gibt uns auch noch die 100-Prozent-Kontrolle über ihr Zustandekommen.

Vorteile elektronischer Signatur überwiegen

Auch bei Verträgen, bei deren Abschluss bereits mögliches Konfliktpotenzial absehbar ist, sollten Vertragspartner nicht auf das Unterzeichnen verzichten. Das hat beweistaktische Gründe und bei Konflikten lässt sich zweifelsfrei nachweisen, worauf sich die Parteien bei Vertragsschluss geeinigt haben. Als geradezu selbstverständlich betrachten wir die persönliche Unterschrift im Zusammenhang mit Arbeitsverträgen und bei Grundstücksgeschäften müssen wir sogar eine dritte unabhängige Person, einen Notar, hinzuziehen.

Wer zu 100 Prozent auf Nummer sicher gehen will, dem bietet der Gesetzgeber eine weitere Option: die Beurkundung des beabsichtigten Vertrages. Damit erklären die beteiligten Parteien, dass der Vertragsschluss erst durch die Unterschrift unter dem Vertrag zustande kommt, ganz gleich, was vorher besprochen wurde. Aber so viel Aufwand, gleich einen Notar einzubinden, brauchen wir in in den meisten Fällen nicht zu betreiben. Bleibt die Frage, ob Vertragspartner zur handschriftlichen Signatur in Tinte oder zur elektronischen Variante greifen sollte – und auch hier ist die Lage aus unserer Sicht klar: In puncto Nachvollziehbarkeit, Authentifizierung, Prozesskontrolle und Beweiskraft überwiegen die Vorteile der elektronischen Signatur gegenüber der herkömmlichen, nicht-digitalen Variante. Aber darüber hatte ich bereits in einem meiner letzten Blogbeiträge berichtet.

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