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November 14, 2017 /Adobe Sign /

Wo bleibt die elektronische Unterschrift, wenn man sie wirklich braucht?

Von der Empfangsbestätigung bis zum Zahlungsbeleg: Viele Dokumente unterzeichnen wir bereits elektronisch. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind gelegt und auch die technische Ausrüstung hat enorme Entwicklungsfortschritte gemacht.

Dennoch bevorzugen viele Deutsche noch die klassische Unterschrift in Tinte auf Papier. Eine Bestandsaufnahme warum das so ist und ob wir damit nicht vielleicht der Entwicklung zum digitalen Europa im Wege stehen.

Gut gelandet, das Gepäck ist auch schon da und jetzt noch schnell den Mietwagen abholen. Der Sommerurlaub kann beginnen! Wäre da nicht die 30-Meter-Schlange am Mietwagenschalter, die den Start ins Urlaubsglück um mindestens eineinhalb Stunden hinauszögert. Kein Weg führt an der Wartezeit vorbei, denn der Verleiher braucht eine Unterschrift von mir. Dabei wäre eine einfache elektronische Signatur völlig ausreichend und die lässt sich heute problemlos umsetzen – nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis.

Der Weg zum papierlosen Lifestyle ist mit Stolpersteinen gepflastert. Ein Blick in den aktuellen Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) der Europäischen Kommission gibt dazu Aufschluss. Während Verbraucher, Unternehmen und Behörden von den Vorteilen der papierlosen Kommunikation und Zusammenarbeit grundsätzlich überzeugt sind, kommt die Umsetzung im Alltag nur schleppend voran. Deutschland belegt Platz 11 im europäischen Vergleich und kann sich damit gerade noch in die obere Hälfte der Länder mit den größten Fortschritten in der Digitalisierung retten. Innovationsführerschaft sieht anders aus, doch was bremst den Fortschritt?


Digitaler Lifestyle, aber mit Lücken
Laut einer Studie der Bundesdruckerei betrachten 50 Prozent der IT-Experten die händische Unterschrift als größte Hürde für die digitale Transformation. Wer Abläufe ohne Medienbrüche gestalten will, kommt um die elektronische Unterschrift aber nicht herum. Die Akzeptanz dafür kommt allerdings nur schleppend voran, obwohl wir fast tagtäglich fleißig elektronische Unterschriften leisten: Am EC-Terminal an der Supermarktkasse oder bei der Empfangsbestätigung des gelieferten Paketes. Geht es um Vertragsangelegenheiten, greifen wir dagegen immer noch beherzt zur Tinte, wie es mein Kollege Rüdiger Herfrid kürzlich eindrucksvoll beschrieben hat – neben Sicherheitsbedenken spielt dabei vor allem die Macht der Gewohnheit eine ganz entscheidende Rolle.

Dabei ist aus rechtlicher Sicht alles klar. In den meisten Fällen genügt zum rechtskräftigen Abschluss eines Vertrags eine normale elektronische Signatur, wie von Stefan C. Schicker, Fachanwalt für IT-Recht, in diesem Artikel bestätigt. Und auch die technische Infrastruktur hat sich entscheidend verbessert. Wo früher komplizierte Software-Anwendungen und Hardware-Komponenten zum Einsatz kamen, genügen heute Smartphone, Tablet oder PC. Nahezu jedes Dokument lässt sich damit ganz bequem per Internet-Browser jederzeit und überall unterzeichnen.


Digitaler Stillstand bei elektronischer Unterschrift
Doch wenn es um die Umsetzung der elektronischen Signatur im Alltag geht, dreht sich der öffentliche Diskurs zu gefühlten 99 Prozent um drohende Sicherheitsrisiken. Unternehmen und Behörden, die die Verbreitung der elektronischen Signatur beschleunigen könnten, konzentrieren sich sehr auf mögliche Risiken und lassen außer Acht, dass am Ende ein Mensch unterschreibt, für den die elektronische Signatur ein echter digitaler Fortschritt bedeutet – sei es der Bürger bei einer Behörde, der Mitarbeiter eines Unternehmens oder jemand, der – wie eingangs beschrieben – schnell und unkompliziert seinen reservierten Mietwagen abholen möchte.

Der Trend zur „Consumerization“ ist in vielen Bereichen der Informationstechnologie und der Telekommunikation angekommen. Doch bei der elektronischen Identifizierung scheint sich die Diskussion im Kreis zu drehen. Rund die Hälfte der Arbeitskräfte soll schon 2020 freiberuflich und digital vernetzt arbeiten. Doch viele Arbeitsverträge werden nach wie vor per Tinte besiegelt. Kurzum: Während wir für unseren Lifestyle die digitale Transformation mit großer Selbstverständlichkeit vollziehen, gibt es Randbereiche wie die elektronische Identifizierung, bei der wir noch in den Kinderschuhen stecken.


Digitalisierung braucht sicheren Umgang mit Identitäten
Mittlerweile hat auch die Bundesregierung die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der digitalen Unterschrift hervorgehoben. Die Digitalisierung brauche sichere Identitäten, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries kürzlich: „Wir entlasten die Menschen und die Unternehmen damit von Bürokratie, denn viele Behördengänge und Briefe können künftig durch elektronische Kommunikation ersetzt werden.“ Die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen sind mittlerweile zu 100 Prozent vorhanden, doch scheint es am Mut zum digitalen Fortschritt noch etwas zu haken.

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