Erfolgreiche Zusammenarbeit – eine Wissenschaft?

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Gründe für die zunehmende Bedeutung und Möglichkeiten zur Förderung von Kollaboration.

Höchstwahrscheinlich nutzt ihr in diesem Moment beim Lesen des Artikels ein Smartphone oder einen PC. Zum großen Teil geht diese Innovation auf die legendäre Zusammenarbeit der beiden Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak zurück.

Im Hintergrund läuft bei euch gerade „Hey, Jude”? Der Song ist ebenfalls ein Beispiel für die geniale Kollaboration zweier Künstler – in diesem Fall zwischen John Lennon und Paul McCartney.

Ganz hinten im Gefrierschrank verstecket ihr eine Ration Ben and Jerry’s Phish Food? Auch für diese leckeren Extrakalorien sind zwei Teamplayer verantwortlich – Ben Cohen und Jerry Greenfield.

Eine Liste mit Menschen, die erfolgreich miteinander arbeiten oder gearbeitet haben, ist leicht erstellt. Schwieriger wird es, die Gründe und Vorgehensweise für den Erfolg zu analysieren.

Simon Sinek, Autor des Bestsellers Frag immer erst: warum antwortete auf die Frage, wie die Apple-Gründer tickten: „Steve Jobs war der rebellische Visionär, Steve Wozniak der Technikguru, der dafür sorgte, dass bei Apple alles funktionierte. Jobs hatte die Vision, Woz verfügte über das nötige Know-how. … Wenn man jemanden findet, der die eigenen Kompetenzen ergänzt, entsteht ein schlagkräftiges Team.“

Konzeptionell verstehen wir die Prinzipien: Menschen aus unterschiedlichem Umfeld mit verschiedenartigen Kompetenzen, die respektvoll miteinander umgehen, sind potenziell sehr erfolgreich. Die unvermeidbare Frage lautet nun, ob diese Art der Zusammenarbeit auch auf Unternehmen übertragen werden kann. Ist diese schwierige Aufgabe lösbar oder versucht man damit, einen Blitz in einer Flasche zu fangen?

Die gute Nachricht ist: Forscher halten es durchaus für realistisch, eine erfolgreiche Zusammenarbeit in Unternehmen zu etablieren. Als Voraussetzung dafür müssen allerdings die Weichen so gestellt werden, dass optimale Leistungen erreichbar sind. Richtig organisiert, schafft Zusammenarbeit die Grundlage für bahnbrechende Innovationen.

Warum Zusammenarbeit entscheidend ist

Schon immer haben Menschen miteinander kommuniziert, um ihre Arbeiten zu erledigen. Ein Grund für die derzeit immense Bedeutung einer guten Zusammenarbeit ist die kontinuierliche Spezialisierung der Wissensarbeiter.

Weltweit hat auch im Büroumfeld in den letzten 30 Jahren eine Spezialisierung stattgefunden, so Benjamin Jones, Professor of Strategy, an der Kellogg School of Management der Northwestern University. Veränderte Anforderungen und Arbeitsprozesse zwingen Arbeitnehmer, ihr Expertenwissen stark einzugrenzen und sich intensiver als bisher auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren. „Der Fokus auf spezielles Fachwissen verringert die Fähigkeiten des Einzelnen. Innovatoren müssen daher in Teams arbeiten“, so Jones.

Durch dieses Phänomen entsteht eine direkte Wechselwirkung zwischen dem Spezialisierungsgrad und der Notwendigkeit zur Zusammenarbeit. „Im Laufe der Zeit verstärkt sich das andauernde, nicht enden wollende Phänomen der zunehmenden Spezialisierung, wodurch Zusammenarbeit immer dringlicher wird,” so Jones.

„Von der Arbeit einer einzelnen Person hängt heutzutage so gut wie nichts mehr ab”, so Shawn Cheris, Director of Experience Design bei Adobe, der diesen Trend auch in seinem Design-Team wahrnimmt. „Zusammenarbeit ist die Art, wie wir arbeiten und kein Hindernis für gutes Design. Durch zusätzlichen Input werden Projekte sogar verbessert.“

Jeremiah Owyang, Gründer von Catalyst Companies, der als Analyst der Technologiebranche und Work Futurist tätig ist, vertritt zudem die Auffassung, dass auch immer flexiblere Arbeitszeiten, mobile Arbeitnehmer und Freiberufler diese Entwicklung prägen. „Suche ich einen Community Manager in Teilzeit, einen Datenspezialisten oder Marktforscher, finde ich online Freiberufler und Anbieter, die ich für einen gewissen Zeitraum engagiere“, erläutert Owyang. „Diese Leute sind Experten, die über fundierte Domain-Kenntnisse oder andere Spezialkompetenzen beziehungsweise einfach über die Zeit verfügen, die ich nicht habe. Online kann ich sofort mit diesen Personen in Kontakt treten. Dadurch entsteht die Kollaborative Wirtschaft, wie Owyang sie nennt.

Unternehmen haben somit Zugriff auf flexible Spezialisten, die Projekte zwar nicht alleine durchführen können, aber in Zusammenarbeit mit anderen Experten sehr innovationsfähig sind. Werden entsprechende Werkzeuge bereitgestellt und das Umfeld sowie die Strategien auf Zusammenarbeit ausgerichtet, entsteht ein optimales Innovationsklima. Unternehmen, die nicht auf diese Entwicklung setzen, werden langfristig keine erfolgversprechenden Innovationsprojekte gestalten können.

Hinzu kommt, dass eine effektivere Zusammenarbeit direkt mit einer erhöhten Unternehmensleistung einhergeht. Unternehmen haben daher mehr als einen Grund, sich mit dem Thema Zusammenarbeit ernsthaft auseinanderzusetzen.

Werkzeuge zur Unterstützung der Zusammenarbeit

Für die Arbeit in einer immer stärker vernetzten Welt wurden mehrere hundert digitale Werkzeuge entwickelt, die eine intensive Zusammenarbeit ermöglichen. Bei der Investitionsentscheidung haben Unternehmen allerdings Schwierigkeiten aufgrund der vielen unterschiedlichen Produkte und Anbieter.

Ephraim Freed, der beim Intranet-Software-Unternehmen ThoughtFarmer arbeitet, erkannte dieses Problem und formulierte eine präzise Definition des Begriffs Zusammenarbeit: „Zwei oder mehrere Personen, die an gemeinsamen Zielen arbeiten.” Auf Grundlage dieser simplen Aussage können Unternehmen ihre Investitionen in neue Technologien auf die Aktivitäten ihrer Mitarbeiter ausrichten, denn diese stehen eindeutig im Mittelpunkt der Zusammenarbeit.

Unternehmen sollten nur in Werkzeuge für die Zusammenarbeit investieren, die von den Teammitgliedern auch genutzt werden, empfiehlt Ephraim Freed, „Mit einem einzigen Tool lassen sich nicht alle Bereiche der Zusammenarbeit abdecken… Zusammenarbeit ist abhängig von Rollen und vom Kontext.”

Stellen Sie sich beispielsweise ein Marketing-Team vor, das mit den letzten Feinarbeiten für eine große Kampagne beschäftigt ist. Mit Sicherheit sind mehrere Teams in die Kreation involviert, die sich effizient abstimmen müssen. Für die Koordination sind Anwendungen wie Sofortnachrichtendienste erforderlich, die kurze Reaktionszeiten erlauben.

Hingegen wäre ein Sofortnachrichtendienst für die Zusammenarbeit der Mitarbeiter einer Rechtsabteilung oder eines Compliance-Teams ungeeignet. Für die Besprechung von Vorgängen und die Bearbeitung von Dokumenten, etwa per Kommentarfunktion und Änderungsverfolgung direkt im Dokument, wäre die Nutzung eines PDFs optimal.

Analog dazu funktioniert Zusammenarbeit, insbesondere wenn Stimmungsbilder oder ein intensiver Meinungsaustausch zu einem bestimmten Thema (zum Beispiel ob hochwertige Kaffeemaschinen im Aufenthaltsraum installiert werden sollen) gewünscht sind, am besten im Intranet, über Formulare oder in öffentlichen Foren.

Allerdings ist die Wahl des geeigneten Werkzeugs nur ein Faktor für die Zusammenarbeit, warnt Michael Schrage, Autor von Shared Minds: The New Technologies of Collaboration.

„Technologie ist und bleibt ein unverzichtbarer Teil der Kollaboration“, so Michael Schrage. „Mitarbeiter profitieren von der Zusammenarbeit in gemeinsam genutzten Räumen. Die Umsetzung dieses Szenarios ist allerdings belohnend und frustrierend zugleich.“ Wenig geeignet für die Zusammenarbeit ist beispielsweise eine cloudbasierte Bibliothek dann, wenn Teammitglieder ausschließlich auf die Dateien auf ihrem Computer zugreifen. Schulungen und die tatsächliche Nutzung der Werkzeuge sind erforderlich, um die Arbeitsabläufe der Mitarbeiter und die Zusammenarbeit zu verbessern.

Tipps für die erfolgreiche Umsetzung der Zusammenarbeit

Der Anspruch zur Zusammenarbeit und die geeigneten Tools erhöhen die Aussicht auf den Unternehmenserfolg.

Mit vier sicheren Expertentipps integrieren Sie das Prinzip der Zusammenarbeit in Ihren Teams:

1. Die Umgebung, in der Teams arbeiten, sollte sich positiv auf die Zusammenarbeit auswirken.

Fördern die Arbeitsplätze die zwischenmenschliche Kommunikation? „Menschen, die erfolgreich mit anderen zusammenarbeiten, agieren auch in gemeinsamen Räumen mit Teammitgliedern,” so Michael Schrage. „Gemeinsame Räume sind das grundlegende Mittel, Medium sowie der Mechanismus, der Kooperation ermöglicht. Keine gemeinsamen Räume? Keine echte Zusammenarbeit.”

Dieser Umstand führt dazu, dass immer mehr Unternehmen offene Arbeitsbereiche schaffen und geschlossene Büros sowie Großraumbüros aufgeben. Kein Wunder, dass das Animationsstudio Pixar ganz bewusst die Firmenzentrale im kalifornischen Emeryville so eingerichtet hat, dass sich Waschräume, Cafeteria und Restaurant in der Mitte des Gebäudes befinden.

Allerdings, so Owyang, sind offene Büros nicht für alle Organisationen geeignet. Einige Unternehmen könnten herkömmliche Büros und offene Arbeitsbereiche kombinieren. „Hybrid gestaltete Räume liegen im Trend und bestehen heute aus Großraumbüros, geschlossenen Büros, aber auch aus Begegnungsräumen und improvisierten Räumen, in denen sich Mitarbeiter für Besprechungen und zur Zusammenarbeit treffen”, ergänzt Owyang. Letztendlich geht es allerdings darum, herauszufinden, welche Methode die beste für das jeweilige Unternehmen ist. „Es gibt nicht den einen richtigen Weg”, so Owyang. “Ausschlaggebend sind Anforderungen, Ziele und die Kultur des Unternehmens.”

2. Teams sollten für einzelne Projekte zusammengestellt werden.

Natürlich sind für diverse Projekte aufgrund der zunehmenden Spezialisierung der Arbeitnehmer verschiedene Zusammenstellungen erforderlich. Dies scheint zunächst im Gegensatz zu dem herkömmlichen, starren Modell der Teamorganisation zu stehen – tatsächlich aber nutzen immer mehr Teams in Unternehmen ein solches Modell, bei dem sich Mitarbeiter mit den benötigten Fähigkeiten in einem neuen Projekt zusammenfinden und nach Projektabschluss wieder auseinandergehen. Dabei sollte der Flexibilitätsbedarf bei der Auswahl der Werkzeuge zur Zusammenarbeit berücksichtigt werden.

3. Erzwungene Kooperationen sollten vermieden werden.

Wie die von den Professoren Rob Cross, Adam Rebele und Adam Grant im Harvard Business Review veröffentlichten Forschungsarbeiten belegen, wenden Mitarbeiter in vielen Unternehmen 80 Prozent ihrer Arbeitszeit für die Zusammenarbeit auf: in Meetings, für E-Mails und Telefonkonferenzen. Diese Zahl erhöht sich beständig und ist in den letzten beiden Jahrzehnten um 50 Prozent gestiegen. Obgleich die meisten Tätigkeiten völlig gerechtfertigt sind, werden viele Aktivitäten einfach aus Gewohnheit ausgeübt. Meetings, die in 15 Minuten erledigt sein könnten, werden unnötig auf eine Stunde ausgedehnt. Manager laden ein Dutzend Mitarbeiter zu einer 30-minütigen Telefonkonferenz ein, obwohl eine E-Mail genügt hätte. Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass Mitarbeiter in ihrer eigentlich produktiven Arbeitszeit nicht in der Lage sind, effizient zu arbeiten. Wenn Führungskräfte für diese vergeudete Zeit verantwortlich sind, verspüren Mitarbeiter zwar einen enormen Druck, fühlen sich aber machtlos gegenüber ihren Vorgesetzten.

Geschäftsführer, deren Unternehmen auf Zusammenarbeit und Produktivität ausgerichtet ist, sorgen hingegen dafür, dass niemand zur Zusammenarbeit gezwungen wird und keine Überlastung entsteht. So hat das Unternehmen Asana vorgegeben, dass mittwochs keine Termine stattfinden.

4. Mitarbeiter, die optimal mit anderen zusammenarbeiten, sollten mit mehr Freiheit belohnt werden.

In durchschnittlichen Unternehmen sind nur 3 bis 5 Prozent der Mitarbeiter für 20 bis 35 Prozent der produktiven Zusammenarbeit verantwortlich. Mit anderen Worten: Einige Teammitglieder arbeiten besser mit anderen zusammen und kompensieren die weniger ausprägten Fähigkeiten der Teamkollegen. Diese Mitarbeiter sind bei der Zusammenarbeit mit anderen immer erfolgreich und sorgen für Leistungssteigerungen.

Was tun mit diesen besonders herausragenden Teammitgliedern? In einigen Unternehmen werden ihnen so viele Projekte wie möglich zugewiesen und dadurch unbeabsichtigt ein vorzeitiger Burnout in Kauf genommen, bis sie das Unternehmen verlassen. Anstatt diese Teammitglieder zu bestrafen, sollte ihnen laut Owyang finanzielle Vergütungen und Anerkennung zuteilwerden.

Dazu gehört, dass den Teammitgliedern, die sich besonders anstrengen, mehr Freiheiten bei der Arbeitsgestaltung eingeräumt werden. „Wenn man Menschen keine Möglichkeit gibt, etwas zu verbessern, gehen sie woanders hin und werden zu Konkurrenten,” so Owyang. „Das für die Unternehmenskultur und -führung zuständige Team sollte Mitarbeitern freie Zeiten einräumen und Spielräume gewähren, in denen sie neue Projekte analysieren können.”

Diese Projekte werden nicht nur vom herausragenden Talent dieser Mitarbeiter getragen. Zugleich bleiben diese auch länger im Unternehmen und vermitteln ihren Teammitgliedern Best-Practice-Methoden zur Zusammenarbeit.

Den Blitz in der Flasche fangen

Mag sein, dass der kosmische Zufall bei der ein oder anderen durch Zusammenarbeit entstandenen Errungenschaft eine Rolle gespielt hat. Alle Erfolge weisen aber auch gewisse Konstanten auf, die sich auf Unternehmen übertragen lassen.

Herausragende Führungskräfte verstehen das Prinzip der Zusammenarbeit und bringen Mitarbeiter mit erforderlichen Erfahrungen und Spezialwissen in einem Projekt zusammen. Zudem schaffen sie durch Bereitstellung eines gemeinsamen Raums, der virtuell, physisch oder beides sein kann, eine Möglichkeit zum Brainstorming, für die Kommunikation, für Meinungsverschiedenheiten und die Überwindung von Hindernissen. Diese Führungskräfte sorgen dafür, dass Aktivitäten, die ein Hindernis für die Zusammenarbeit im Team und die Produktivität darstellen, abgeschafft werden.

Letztendlich erkennen Menschen, die sehr gut mit anderen zusammenarbeiten können, die Bedeutung der Unterschiedlichkeiten und wissen, wie man die Stärken anderer respektiert und auf sie vertraut. Wenn der Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit liegt und Zusammenarbeit unterstützt wird, entstehen Innovationen und daraus der Unternehmenserfolg.


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Posted on 07-27-2018


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