Vision 2047: Lernen und Arbeiten als selbstbestimmte Erfahrung

EventsInsights

Die Debatte um die Zukunft der Arbeit ist wichtig – aber sie wird derzeit vielfach auf einer falschen Ebene geführt. Bedenken, dass die technologische Entwicklung bald zu Massenarbeitslosigkeit führen könnte, sind für jeden, der sich wirklich mit dem – sehr arbeitsintensiven – Programmieren künstlicher Intelligenz beschäftigt, kaum nachvollziehbar. Wir dürfen nicht den Fehler machen, menschliche mit künstlicher Intelligenz zu verwechseln, denn das erzeugt Ängste, die uns lähmen. Schließlich wird kein Papagei zum Dichter, nur weil wir ihm beibringen, Goethe zu rezitieren.

Sicher werden einzelne Aspekte von Jobs wegfallen. Ein Beispiel: Wir haben mit Adobe Sensei eine Sammlung intelligenter Dienste entwickelt, die den Nutzern einige Minuten Arbeit am Tag abnehmen. Damit verlieren sie aber nichts, sondern gewinnen im Gegenteil Zeit und Energie für wichtigere Dinge. Ich bin davon überzeugt, dass wir durch solche Technologien den Wert menschlicher Arbeit eher steigern werden.

Beim Adobe Think Tank in Berlin haben wir darüber nachgedacht, welche Zukunft der Arbeit wir uns für 2047 wünschen. Sinnhaftigkeit und Selbstbestimmung waren Schlagworte, die immer wieder fielen. Das Ideal einer selbstbestimmten und sinnhaften Arbeitswelt erfordert allerdings einen echten Kulturwandel in den Köpfen. Wir müssen mutiger werden und mehr nach dem Trial- und Error-Prinzip leben und nach dem Motto handeln, ‚was funktioniert, ist gut‘. Wenn wir selbstbestimmt arbeiten wollen, müssen wir lernen, selbstbewusst und selbständig zu denken und zu handeln. Und das fängt in der Schule an.

Schüler werden heute noch immer in erster Linie für das Abarbeiten von Aufgaben trainiert – und genau das werden Roboter vielleicht tatsächlich bald besser können als wir.  Die Vision vom selbstbestimmter und sinnvoller menschlicher Arbeit erreichen wir deshalb nur durch einen radikalen Umbau unseres Bildungssystems. Wir brauchen eine Pädagogik, die – ganz im Sinne eines Humboldt 4.0 – eine bedingungslose Grundbildung vermittelt und die Entwicklung des Selbst fördert. Wir brauchen ein neues Bildungsideal, das das ‚Lernen lernen‘ in den Mittelpunkt stellt. Idealerweise würde schon die Generation, die 2020 eingeschult wird, die Schule mit einem Reifezeugnis verlassen, das ihr „die Reife zum lebenslangen Lernen“ bescheinigt.

Um das zu ermöglichen müssen wir Gatekeeper konsequent ausschalten und traditionelle Bildungssilos sprengen. Statt vorgegebener Bildungswege gibt es in Zukunft dann vielleicht 100.000 modulartig aufgebaute Mikro-Skills, die frei wählbar und ‚open source‘ für jeden, jederzeit verfügbar sind. Pädagogen werden zu Lotsen, die auch über die Schulzeit hinaus bei der Orientierung helfen. Und Lernen und Arbeiten verschmelzen zu einer selbstbestimmten Erfahrung, die uns unser ganzes Leben lang begleitet.

Als „Director of Platform Marketing“ bei Adobe beschäftigt sich Lars Trieloff mit den aktuellen Entwicklungen im Bereich des maschinellen Lernens und künstlicher Intelligenz. „Maschinen werden uns das tun lassen, was wir am besten können: Mensch sein“, sagt er. Der Entwickler und Software- und Systemingenieur kombiniert technisches Wissen mit einem guten Gespür dafür, wie Menschen ticken und arbeiten.

Hier können Sie den Think Tank Live-Stream noch einmal ansehen.


Events, Insights

Posted on 07-21-2017


Join the discussion